bulletin 2/2014

Motion Diakonie: Gemeinsam zum Ziel!

Von Regula Kummer, Ratsmitglied des Kirchenbundes und Präsidentin der Steuergruppe «Motion Diakonie».

An der Abgeordnetenversammlung vom 3. und 4. November 2014 unterbreitet der Rat SEK den Abgeordneten Bericht und Antrag zur «Motion Diakonie». Darin empfiehlt er ein Reorganisationsmodell «Diakonie Schweiz» zur Umsetzung. Ein Rückblick auf die Herausforderungen dieses während der vergangenen drei Jahre entworfenen Restrukturierungsprojekts.

Seit dem Ende des vergangenen Jahrzehnts ist die diakonische Landschaft auf nationaler Ebene in Bewegung geraten, was sich an drei verschiedenen Entwicklungen ablesen lässt: Erstens haben einzelne diakonische Bildungsinstitutionen sowie diakonische Verbände in den vergangenen Jahren ihren Betrieb einstellen müssen. Meistens war ihren Trägerschaften der Nutzen des jeweiligen diakonischen Angebots nicht mehr klar genug ersichtlich. Sie waren folglich nicht mehr bereit, die Finanzierung der entsprechenden Institution mitzutragen. Die Bildungs- bzw. Verbandstätigkeit musste daraufhin aufgegeben werden. Zweitens sind in der Folge neue Projekte gegründet worden, die auf bestehende und bislang nicht abgedeckte Bedürfnisse in der Diakonie zu reagieren versuchten. Es entstand eine Vielzahl neuer Interessengruppen, Informationsplattformen und Austauschforen. Drittens wurde die Bewegung in der diakonischen Landschaft darin ersichtlich, dass sich die bestehenden Institutionen in dieser Zeit oftmals bemühten, ihre eigenen Mandate und rechtlichen Grundlagen zu überarbeiten.

Motion der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn und weiterer mittragender Kirchen betreffend die Bündelung von Diakonischen Gefässen (überwiesen am 7./8. November 2011):

«Der Rat SEK wird beauftragt, in einem partizipativen Prozess die aktuellen Strukturen und Vernetzungen der verschiedenen Gefässe im Bereich von Diakonie und Diakonat in der Schweiz zu analysieren und der Abgeordnetenversammlung innert zwei Jahren Massnahmen zur verbesserten Bündelung, Koordination und Steuerung dieser Gefässe vorzuschlagen.»

Betriebsaufgaben, Neugründungen, Grundlagenrevisionen – die Umbrüche in der diakonischen Landschaft auf nationaler Ebene wiesen untrüglich darauf hin, dass grundlegende Orientierungsfragen im Raum standen: Welche diakonischen Aufgaben müssen auf nationaler Ebene erfüllt werden? Welche einfachen und übersichtlichen Organisationsformen sind zur Erfüllung dieser Aufgaben zweckdienlich?

Diese Frage nach einer einheitlichen Leistungserbringung im Bereich der Diakonie bedingte umfassende Reorganisationsbestrebungen. Alle beteiligten Akteure und Anspruchsgruppen setzten sich hierfür gemeinsam an einen Tisch.

«Motion Diakonie»: Reorganisationsprojekt als neue Aufgabe für den Kirchenbund

Mit der «Motion Diakonie» der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn wurde die Notwendigkeit eines solchen Reorganisationsprojekts in der Abgeordnetenversammlung des Kirchenbundes 2011 zur Sprache gebracht. Der Rat erhielt den Auftrag, für eine verbesserte Bündelung, Koordination und Steuerung der diakonischen Gefässe zu sorgen.

«Als ich mein Amt als Kirchenrat der Reformierten Landes- kirche Zürich vor rund drei Jahren antrat, übernahm ich das Ressort Diakonie. Damit verbunden sind die Abordnungen in die Deutschschweizer Diakonatskonferenz, die Diakoniekonferenz und das Amt des Diakonatsrates. In letzterem sind wiederum die Vertreter der Überprüfungskommission, der Ausbildungskommission und des Berufsverbandes mit dabei. Insgesamt traf ich als Neuling eine vielfältige aber unübersichtliche, komplexe und nicht nur logisch aufgebaute Struktur an. Zu einem grossen Teil treffen sich die gleichen Personen unter verschiedenen Titeln zu den mehr oder weniger gleichen diakonischen Themen. Ich bin glücklich, dass nun mit «Diakonie Schweiz» ein neues und vielversprechendes adäquates Modell vorliegt. Ich bin überzeugt, dass es die Diakonie und den Einsatz für ihre Anliegen stärken wird.»

Bernhard Egg, Kirchenrat der Reformierten Landeskirche des Kantons Zürich und Mitglied der Steuergruppe «Motion Diakonie»

Eine Aufgabe mit Pilotcharakter, da der Kirchenbund seit der Gründung der Stiftungen HEKS, Brot für alle und fondia Mitte der Neunzigerjahre an keinen grösseren Umstrukturierungsprojekten mehr beteiligt war und daher hierfür weder auf einen erprobten und institutionalisierten Prozess noch auf vorgegebene Gremien zurückgreifen konnte.

Dienstleistungsorientierung, Partizipation und Transparenz als Grundwerte des gemeinsamen Prozesses

So galt es, gemeinsam mit den Mitgliedkirchen, den diakonischen Werken sowie weiteren Partnern ein Vorgehen zu finden, in welchem möglichst viele der vorhandenen Anliegen abgeholt werden können. Die eingesetzte Steuergruppe hat dafür verschiedene Grundwerte festgehalten. Zum Ersten hat sie sich auf eine dienstleistungsorientierte Denk- und Vorgehensweise konzentriert. Ihre Lösungserarbeitung richtete sich in erster Linie an den Vorstellungen der Anspruchsgruppen aus – diese sollen den Kirchenbund als Dienstleister erfahren und aus der geleisteten Arbeit einen direkten Nutzen ziehen können.

Zum Zweiten war die Steuergruppe davon überzeugt, dass eine Reorganisation nur mit den betroffenen Anspruchsgruppen gelingen kann. Diese wurden bei grundlegenden Arbeitsschritten in Form von Konferenzen, Hearings und Konsultationen eingebunden.

Zum Dritten legte sie Wert darauf, dass sämtliche involvierten Personen und Gremien im gesamten Verlauf der Motionsbearbeitung laufend über den aktuellen Stand der Arbeiten informiert wurden.

Breit abgestützte Vorlage «Diakonie Schweiz»

Die aufbauend auf den genannten Grundwerten erarbeitete Vorlage liegt nun vor. Der Rat des Kirchenbundes schlägt darin eine völlig neu gestaltete diakonische Landschaft vor, die in einer gemeinsamen Dachstruktur namens «Diakonie Schweiz» zusammengefasst wird.

Eine Konsultation hat gezeigt, dass dieser Reorganisationsvorschlag des Rates und der Steuergruppe seitens der Mitgliedkirchen, der diakonischen Werke und der weiteren betroffenen Institutionen mitgetragen wird.