Die Gewinner des ersten Schweizer Predigtpreises stehen fest

Die Jury des Schweizer Predigtpreises 2014, des ersten überhaupt, hat seine Preisträgerinnen und Preisträger bestimmt. Von den 245 beim Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund eingereichten Texten wurden fünfzehn ausgezeichnet. Sie werden in dem am 3. November erscheinenden Sammelband „Ausgesprochen reformiert – Predigten“ publiziert.

Caroline Schroeder Field

In der deutschsprachig-rätoromanischen Kategorie wird der Schweizer Predigtpreis 2014 an Caroline Schröder Field, Pfarrerin am Basler Münster, für ihre Predigt „Elia in der Wüste“ zu 1 Könige 19,4-13a verliehen. In der französisch-italienischsprachigen Kategorie gewinnt den Predigtpreis Isabelle Ott-Bächler, Pfarrerin in Neuchâtel, für ihre Predigt „Ne pas arracher l’ivraie …“ zu Matthäus 13,24-30. Manuela Liechti-Genge, Pfarrerin der deutschsprachigen Gemeinde in Porrentruy (JU) und Dozentin an der Universität Bern, wird für ihre Radiopredigt über die Samaritanerin in Johannes 4,4-19 mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet.

Viele der eingereichten Predigten übersetzen die soziale und politische Tragweite der biblischen Texte für die Hörerinnen und Hörer von heute auf interessante Weise – ein Kunststück, das Isabelle Ott-Bächler, der französischsprachigen Preisträgerin, nach Ansicht der Jury bemerkenswert gut gelungen ist. Ihr Text knüpfe geradezu meisterhaft eine Verbindung von den Zeloten aus der Zeit Jesu zu den Politikern von heute, ohne deshalb den Durchschnittshörer zurückzulassen, so Line Dépraz, Vorsitzende der französischsprachigen Jury. „Diese Predigt stellt ein bemerkenswertes Zeugnis innerhalb einer Gesellschaft dar, die sich immer stärker säkularisiert und laizisiert, obwohl eine wachsende Anzahl von Bürgern auf der Suche nach Spiritualität ist.“

Die deutschsprachige Preisträgerin, Caroline Schröder Field, hat die Jury durch ihre klare narrative Linie, durch ihre theologische Prägnanz und seelsorgerliche Tiefe beeindruckt. „Biblische Texte auslegen heisst nicht, über sie zu dozieren, sondern ihrem Erzählsinn zu vertrauen, bei ihren Bildern zu verweilen, deren Kraft und Tiefe sichtbar und auf Lebenserfahrungen hin transparent zu machen“, betont Niklaus Peter, der Vorsitzende der deutschsprachigen Jury. Der mit dem Spezialpreis ausgezeichneten Manuela Liechti-Genge ist das in ihrer Predigt über die Begegnung zwischen Jesus und der Samaritanerin in vorbildlicher Weise gelungen.

Die drei Hauptpreise sind jeweils mit einem Betrag von CHF 1000 dotiert; die Predigten werden in dem am 3. November 2014 erscheinenden Sammelband „Ausgesprochen reformiert – Predigten“ publiziert.

Für das Buch ebenfalls ausgewählt sind in der deutschsprachig-rätoromanischen Kategorie die Predigten von
- Ruedi Bertschi „Mit dem Pharisäer Freund werden“ über Lukas 18,9-14
- Andreas Bruderer „Heil und Heilung“ über Markus 9,17-27
- Martin Dürr „Ihr seid ein Brief Christi“ über 2 Korinther 3,2-9
- Thomas Grossenbacher „Ich lasse dich nicht“ über Genesis 32,22-32
- Maja Peter „Wo sich Gott verbirgt“ Predigt zu Genesis 1,1–3,24 und Klaus Merz‘
  Gedicht „Licht“[1]
- Verena Salvisberg „Es muss doch mehr als alles geben“ über
  Matthäus 6,33 und das Märchen vom Fischer und seiner Frau
- Pascale Rondez „Aufwachen“ über Epheser 5,8-14
- Stefan Weller „Verschieb dein Leben nicht auf morgen!“ über Jeremia 29,1-14

in der französisch-italienischsprachigen Kategorie die Predigten von
- Luc Badoux « S’étonner devant la résurrection » über Lukas 24,36-48
- Marco Di Pasquale « Felix culpa. L’evangelo del serpente » über Genesis
  2,15-17&3,1-13 (Original in Italienisch)
- François Lemrich « Tamar, raconter ce qui n’est jamais raconté » über Genesis 38,
  1-30
- Etienne Rochat-Amaudruz « Ego Eimi » et le credo de mes salades » über Teile
  von Johannes und der Offenbarung

Der Band wird in französischer Sprache unter dem Titel „Prédications – un best of protestant“ im Verlag Labor et Fides und in deutscher Sprache unter dem Titel „Ausgesprochen reformiert – Predigten“ im TVZ-Verlag erscheinen.

Die Vernissage des Buches und die Preisverleihung finden am 3. November 2014 um 17.45 Uhr im Berner Rathaus statt.

Predigtkunst fördern
Ziel des Schweizer Predigtpreises ist es nicht, den Wettbewerb zu fördern; er soll vielmehr die rund zweitausend Predigenden anspornen, die in der Schweiz jeden Sonntag auf die Kanzel steigen, ihre Arbeit würdigen und ins Licht rücken, versichert Gottfried Locher, der Ratspräsident des SEK. „In und mit den Worten des Predigers kann Gott selbst zu Worte kommen und den Menschen ansprechen. Folglich ist die Predigt für die Kirchen und die Gesellschaft eine Chance, heute vielleicht mehr denn je.“

Diese Überzeugung liegt dem Predigtpreis sowie dem kleinen Sammelband mit fünfzehn Predigten zugrunde, die von den beiden Jurys aufgrund ihrer exegetischen Festigkeit, ihrer rhetorischen Stärke, theologischen Konsistenz und existenziellen Bedeutung ausgewählt wurden.

Weitergeben, was bewegt
Die Lektüre der eingereichten Predigten – 181 in deutscher Sprache, 58 in Französisch, vier in Italienisch und zwei in Rätoromanisch – war über weite Strecken eine schöne und erfreuliche Sache, die Schwierigkeit eher, nur zehn preiswürdige auszuwählen, stellt Niklaus Peter fest. Die Liebe der evangelischen Predigenden zu ihrem Beruf war auch für die französischsprachige Jury offenkundig, wie Line Dépraz betont: „Die Wortwahl, der besondere Ton, die gut gewählten Bilder, die zum Nachdenken anregen sollen – all das verweist auf die Leidenschaft reformierter Prediger und Predigerinnen für die Kommunikation, für ihren unwiderstehlichen Wunsch, um nicht zu sagen für ihr Bedürfnis, an andere weiterzugeben, was sie begründet, was sie nährt, was sie bewegt und ihrem Leben Sinn verleiht.“

Weitere Informationen, insbesondere eine Kurzbiographie der Preisträgerinnen und Preisträger sowie eine Vorstellung der Jury-Mitglieder, finden Sie unter www.schweizer-predigtpreis.ch

Das Buch können Sie vorbestellen bei: TVZ-Verlag