Irak: Gebets-, Solidaritäts- und Spendenaufruf

Der Kirchenbund unterstützt die dringenden Hilfsappelle für die leidenden Menschen im Nordirak des Ökumenischen Rates der Kirchen und der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa GEKE. Der Kirchenbund nimmt das Gespräch mit den Schweizer Bundesbehörden auf. Gleichzeitig bittet er um Kollekten und Spenden. Folgend Meldungen des ÖRK, der GEKE und der Zürcher Landeskirche.
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Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund, 11. August 2014: Der Kirchenbund entspricht der Bitte seiner weltweiten und europäischen Kirchenfamilie. Der Ökumenische Rat der Kirchen und die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa haben ihre Mitglieder gebeten, ihre dringenden Hilfsappelle im Zusammenhang mit der aktuellen Lage im Nordirak den nationalen Regierungen zu übergeben und die Intervention der Vereinten Nationen zu erwirken.

Der Kirchenbund nimmt das Gespräch mit den Schweizer Bundesbehörden auf. In einem ersten Schritt soll geklärt werden, welche Massnahmen die Bundesbehörden unternehmen und wie die Kirchen und ihre Hilfswerke mit ihren vielen direkten Kontakten zu Geschwisterkirchen im Irak und den Nachbarländern helfen können. Der Kirchenbund ruft zum Gebet und zur Solidarität mit den Menschen im Nordirak auf.

Kirchgemeinden und Einzelpersonen sind gebeten, Solidarität zu zeigen und die Christen im Irak mit grosszügigen Kollekten und Spenden zu unterstützen. Die Zürcher Landeskirche hat dafür ein spezielles Sammelkonto „Bedrängte Christen“ eingerichtet:

PC 80-2020-8, Evang.-ref. Landeskirche des Kantons Zürich, 8001 Zürich
Vermerk: Konto 200 510 „Bedrängte Christen/Irak“

Weitere Auskünfte: Philippe Dätwyler; Tel. 044 258 92 65; philippe.daetwyler@zh.ref.ch


Der Ökumenische Rat der Kirchen ÖRK ruft die Vereinten Nationen in einem dringenden Appell dazu auf, der Vertreibung und der Bedrohung von Christen und anderen Minderheiten durch den Islamischen Staat im Irak und Syrien nicht länger tatenlos zuzusehen. Zudem ruft der ÖRK seine Mitgliedkirchen zum Gebet und zur Solidarität mit den Menschen im Nordirak auf.​ Folgender Text ist eine Übersetzung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes. Es gilt der Text des englischen Originals des ÖRK.

Aufruf des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) an seine Mitgliedkirchen zum Gebet und zur Fürsprache für die Kirchen im Nordirak

Liebe Schwestern und Brüder!

Ich schreibe Ihnen im Namen des Ökumenischen Rates der Kirchen mit der Bitte um Ihre Gebete für die Christen, kirchlichen Gemeinschaften und alle leidenden Menschen in der Ebene von Ninive im Nordirak und den angrenzenden Regionen.

Die Berichte der vergangenen Tage haben bestätigt, dass Christen, Yeziden sowie weitere Angehörige gefährdeter religiöser und ethnischer Gruppen im Irak durch militärische Angriffe des „Islamischen Staates“, ehemals „Islamic State of Iraq and al –Sham“ (ISIS) genannt, zwangsvertrieben und wahllos getötet werden.

Ich habe den Generalsekretär der Vereinten Nation, Herrn Ban Ki Moon, dringend gebeten, alle erdenklichen Anstrengungen zu unternehmen, um der Gewalt im Irak Einhalt zu gebieten, den Schutz aller dort lebenden Menschen sicherzustellen sowie auf die Einhaltung der Menschenrechte einschliesslich der Religionsfreiheit zu dringen.

Nun bitte ich Sie um Ihre Unterstützung durch Gebet und Fürsprache. Bitte nehmen Sie mit der Regierung Ihres Landes Kontakt auf, damit diese

  • ihre UNO-Boschafter anweisen, die Notlage aller gefährdeter Menschen und Gemeinschaften im Irak vor den UNO-Sicherheitsrat zu bringen, um unmittelbare Schutzmassnahmen zu erwirken;
  • vom UNO-Sicherheitsrat eine verbindliche Resolution erhalten, welche die sofortige Rückkehr aller sicherstellt, welche ihr Haus und Besitz verlassen mussten;
  • ihre humanitären Anstrengungen verstärken, auch und besonders für die im eigenen Land Vertriebenen sowie für die Flüchtlinge in den Nachbarstaaten.

Bitte teilen Sie uns Ihre getroffenen Massnahmen mit. Wir werden die Kirchen im Irak darüber informieren und setzen uns bei den Vereinten Nationen weiter für unsere Forderungen ein.

In der Region, die jetzt den Irak bildet, hat das Christentum in den ersten Jahrzehn-ten der Geschichte der Kirche Fuss gefasst. Einige unserer treuesten Gemeinschaf-ten haben dort bis zum heutigen Tag geblüht. Diese Brüder und Schwestern stehen nun unter Bedrohung.

Kämpfer der ISIS haben vergangene Nacht einen Granatenangriff lanciert, der bis zu 100‘000 Christen aus ihren Häusern und Dörfer getrieben hat, schreibt der chaldäische Patriarch von Babylon, Louis Raphael Sako. Die meisten sind zu Fuss in Richtung kurdischer Städte geflohen, wo sie Obdach zu finden hoffen. Unter den Flüchtlingen befinden sich Kranke und Verletzte, Alte, Kinder und schwangere Frauen. Wie der Patriarch uns mitteilt, besteht dringender Bedarf nach Wasser, Lebensmittel und Unterkunft.

Kirchen und das Eigentum religiöser Gemeinschaften werden durch ISIS entweiht und zerstört. Alte Manuskripte werden als Angriff auf die Glaubensüberzeugung jener Menschen verbrannt. Laut dem chaldäischen Erzbischof von Kirkuk und Sulaimaniyah, Joseph Thomas, sind ganze Städte im Nordirak entvölkert.

Lasst uns gemeinsam beten und handeln, damit diese zerstreuten Gemeinschaften wie-derhergestellt werden und den Menschen geholfen wird.

In der Liebe zu Christus und in seinem Dienst,
gez. Dr. Isabel Apawo Phiri, stellvertretende Generalsekretärin

Offener Brief des ÖRK an seine Mitgliedskirchen (Übersetzung SEK)

Pressemitteilung des ÖRK (en)

Offener Brief des ÖRK an UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon (en)

 


Pressemitteilung der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa vom 11. August 2014

Gemeinschaft Evangelischer Kirchen über Lage im Irak alarmiert

Rasches Handeln der internationalen Gemeinschaft gefordert

Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) ist tief besorgt über die Bedrohung, der Christen und andere religiöse und ethnische Gruppen im Nordirak ausgesetzt sind. Hunderttausende sind auf der Flucht und kämpfen um ihr Überleben. Die tödliche Bedrohung von Jesiden, Christen und Angehörigen anderer religiöser und ethnischer Minderheiten durch die islamistische Terrorgruppe „Islamischer Staat (IS)“ verlange sofortiges Handeln der internationalen Gemeinschaft. Die GEKE unterstützt deshalb den Aufruf des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) und bittet ihre Mitgliedskirchen dringend, mit ihren Regierungsverantwortlichen Kontakt aufzunehmen, um – nach Möglichkeit auf der Basis eines UN-Beschlusses - wirksamen Schutz für die bedrohten Menschen, rasche Hilfe für die Vertriebenen, ihre sichere Rückkehr und ein Ende der Gewalt gegen religiöse und ethnische Minderheiten zu fordern. Zudem brauche es wirksamen Druck der internationalen Gemeinschaft auf jene Länder, die den IS mit Waffen und Geld unterstützen.

Die dramatischen Ereignisse im Irak seien in einem weiteren Zusammenhang zu sehen, erklärt das Präsidium der GEKE. Auch durch ihre enge Verbundenheit mit der Federation of Middle East Evangelical Churches (FMEEC), zu der der Council of Protestant Churches in Iraq gehört, ist den Mitgliedskirchen der GEKE seit langem die bedrückende Situation der Christen im Mittleren und Nahen Osten bekannt. „Die Christen im Mittleren Osten haben sich niemals in ihrer Existenz in dieser Region in solch einer Katastrophe und in solch einem Chaos vorgefunden wie seit dem sogenannten Arabischen Frühling“, sagte Rosangela Jarjour, die Generalsekretärin der FMEEC, auf der Vollversammlung der GEKE 2012 in Florenz. Schon damals seien die Zukunftsaussichten düster gewesen, jetzt aber stehe die Präsenz und das Zeugnis der Christen im Mittleren Osten insgesamt auf dem Spiel, zeigt sich das Präsidium der GEKE alarmiert. „Angesichts der aktuellen Ereignisse ist die Verbundenheit der Kirchen und ihr Einsatz noch mehr gefordert“, so die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa.

Daher rufen das Präsidium und der Generalsekretär der GEKE die Mitgliedskirchen, hinter denen annähernd 50 Millionen Evangelische in ganz Europa stehen, auf, ihre tätige Hilfe zu verstärken und durch solidarisches Handeln den bedrängten Gruppen beizustehen. „Jede Form religiös motivierter Gewalt und brutalisierter Frömmigkeit zerstört das menschliche Miteinander und lästert Gott“, betont das Präsidium der GEKE. Mit der konkreten Hilfe verlange die aktuelle Situation das gemeinsame Gebet aller Kirchen für die bedrohten Menschen und ihre besorgten Angehörigen.

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Zur Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) – Leuenberger Kirchengemeinschaft haben sich 94 protestantische Kirchen in Europa (und in Südamerika) zusammengeschlossen. Lutherische, reformierte, unierte, methodistische und vorreformatorische Kirchen gewähren einander durch ihre Zustimmung zur Leuenberger Konkordie von 1973 Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft. Anschrift: GEKE-Geschäftsstelle, Severin-Schreiber-Gasse 3, 1180 Wien, Österreich, Tel.: +43.1.4791523.900, Telefax: +43.1.4791523.580, Email: office@leuenberg.eu, Internet: www.leuenberg.eu. Pressekontakt: Mag. Ingrid Monjencs, Tel. Mobil: +43.699.18878 052, Email: i.monjencs@leuenberg.eu.


Pressemitteilung der Evang.-ref. Landeskirche des Kantons Zürich vom 25. Juli.

Christenverfolgung durch Extremisten des „Islamischen Staat“ hat im Irak einen Höhepunkt erreicht.

Die Christenverfolgung durch die Extremisten des „Islamischen Staates“ (IS) hat am 19. Juli im Irak einen traurigen Höhepunkt erreicht. Mit Flugblättern wurde den noch verbliebenen Christen in der Millionenstadt Mossul ein Ultimatum gestellt: „Flieht, ohne Gepäck, nur mit der Kleidung am Leib, oder wählt aus drei Optionen: Konversion zum Islam, Sondersteuer oder Exekution durchs Schwert.“ Hals über Kopf haben deshalb am Wochenende die letzten 2000 christlichen Familien Mossul verlassen.

Heute ist die zweitgrösste Stadt im Irak „christenfrei“. Erstmals seit 1800 Jahren findet am Sonntag in Mossul (dem ehemaligen Niniveh) kein Gottesdienst mehr statt. Die IS-Terroristen haben die Kreuze demonstrativ von den Kirchenkuppeln entfernt. Einzelne Kirchen wurden zu Moscheen umgewandelt. Andere wurden demoliert oder werden nun als Waffenlager genutzt. Und die Geschäfte und Häuser der Christen wurden geplündert.

Sogar das legendäre Grab des Jona, den die Muslime als Prophet verehren, wurde mit Vorschlaghämmern zerstört. Der Terror scheint keine Grenzen zu kennen und richtet sich auch gegen Schiiten und gemässigte Sunniten.

Die Region um Mossul gilt seit Jahrhunderten als das Zentrum des Christentums im Irak. Vor zehn Jahren lebten im Irak noch eineinhalb Millionen Christen, davon über 50.000 in Mossul. 2013 waren es nur noch 300.000 im gesamten Irak, davon etwa 25.000 in Mossul.

Internationale Proteste
International hat die Vertreibung der Christen aus Mossul heftige Proteste ausgelöst. Der Patriarch der Syrisch-orthodoxen Kirche, Ignatius Aphrem II., appellierte an die internationale Gemeinschaft, „diesen rechtswidrigen Handlungen ein Ende zu setzen“. Auch der Weltkirchenrat zeigte sich tief besorgt über die Vertreibung. Der Exodus sei eine Tragödie für Christen und Muslime im Irak. Der Papst hat seinerseits auf dem Petersplatz in Rom zum Gebet für die Christen im Irak aufgerufen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die Christenverfolgung scharf verurteilt und als mögliches „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ eingestuft. Aber auch unter Muslimen hat das Vorgehen von IS Abscheu und Empörung ausgelöst. Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) nannte die Verfolgung der Christen im Irak ein „unerträgliches Verbrechen“ und bot humanitäre Hilfe für die Vertriebenen an.

Flucht in die kurdischen Provinzen
Unter der Schreckensherrschaft leiden aber auch viele andere. Hunderttausende (gemässigte Sunniten, Schiiten, Yeziden, Christen) sind deshalb in die relativ sicheren kurdischen Provinzen geflüchtet. Aber nun droht dort eine humanitäre Katastrophe. „Unsere Region kann die Ankunft von so vielen Flüchtlingen kaum mehr bewältigen, sagt der Ministerpräsident der Regionalregierung Kurdistan.

Wegen des Bürgerkriegs in Syrien und dem Terror des „Islamischen Staates“ (IS) hat Irakisch-Kurdistan bis heute mehr als eine Million Flüchtlinge aufgenommen. Die kurdische Provinzregierung und Hilfsorganisationen haben in Eile grosse Camps eingerichtet. Überall versucht man die Flüchtlinge unterzubringen. Die Lage ist dramatisch und die Not ist gross.

Christen bieten Unterkunft
Die in den kurdischen Provinzen lebenden Christen helfen tatkräftig mit. Sie bieten den Flüchtlingen unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit Unterkunft in Kirchen, Klöstern, Schulen und zum Teil sogar in Privathäusern.

Zudem hat die einheimische Hilfsorganisation CAPNI (Christian Aid Program Northern Iraq) ein grosses Nothilfeprojekt gestartet. Mit Lebensmittelpaketen, Hygieneartikeln, Matratzen, Wassercontainern und Medikamenten versucht man das nackte Überleben der vielen Flüchtlinge zu sichern.

Gründer von Capni über Elend und Hilfe
Capni wurde vor 21 Jahren vom syrisch-orthodoxen Erzdiakon Emanuel Youkhana mitbegründet. Youkhana setzt sich seither unermüdlich für die bedrängten Christen wie auch für die anderen notleidenden Minderheiten ein. Ein eindrückliches Interview mit ihm ist kürzlich in der ZEIT erschienen.

Zürcher Landeskirche hilft mit
Die Zürcher Landeskirche pflegt seit Jahren freundschaftliche Beziehungen zur syrisch-orthodoxen Kirche im Irak und im Turabdin (Südosttürkei) und hat in der Vergangenheit auch verschiedene Projekte von CAPNI unterstützt.

Aufgrund der aktuellen Flüchtlingsnot hat der Kirchenrat kürzlich aus dem Sammelkonto „Bedrängte Christen“ CAPNI 20`000 Franken überwiesen. Zusätzlich hat auch das ökumenische Forum G2W einen Beitrag von 10‘000 Franken an das Projekt beigesteuert.

Der Kirchenrat bittet Kirchgemeinden und Einzelpersonen dringend, das Nothilfeprojekt von CAPNI ebenfalls mit grosszügigen Kollekten und Spenden zu unterstützen.

Sammelkonto „Bedrängte Christen/Irak“
Beiträge können mit dem Vermerk „Konto 200 510/Bedrängte Christen/Irak“ auf das PC-Konto 80-2020-8, Evang.-ref. Landeskirche des Kantons Zürich, 8001 Zürich überwiesen werden.

Weitere Auskünfte: Philippe Dätwyler; Tel. 044 258 92 65;
Mail: philippe.daetwyler@zh.ref.ch

Besten Dank!

Verfasser: 
ÖRK/GEKE/SEK/Landeskirche Zürich