SEK-Ethiker Otto Schäfer an internationaler Konferenz zur Fukushima-Katastrophe in Japan

Otto Schäfer, Beauftragter für Theologie und Ethik des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes erörterte am 13. März in Sendai im Rahmen der internationalen Konferenz zur Katastrophe in Ostjapan (International Conference on the East Japan Disaster) spirituelle und ethische Fragen im Zusammenhang mit der Energieversorgung. Der Pfarrer und Biologe war von den evangelischen Kirchen Japans eingeladen worden. Diese stellen die Kernenergie auch drei Jahre nach der Katastrophe von Fukushima stark in Frage.
The United Church of Christ in Japan / Logo der internationalen Konferenz "Against the myth of the Safety of Nuclear Energy"

Der Schock, den die Atomkatastrophe in Fukushima als Folge des Tsunamis vom 11. März 2011 auslöste, machte die Kernenergie in Japan zum Tagesgespräch. Zwar hat das Interesse mittlerweile nachgelassen, doch für die evangelischen Kirchen in Japan ist das Thema nach wie vor von grosser Dringlichkeit.

Seit 2011 betreibt die Vereinigte Kirche Christi in Japan nicht nur Hilfsprojekte für die Opfer. Sie bemängelt auch den „Mythos der Sicherheit der Kernenergie“ und befasst sich intensiv mit alternativen Energiequellen. Gemeinsam mit anderen Stimmen kritisiert sie die Kommunikationspolitik der Kernkraftwerk-Betreibergesellschaft TEPCO und der japanischen Behörden in dieser Angelegenheit: Auch drei Jahre nach der Katastrophe sickern nur lückenhafte Informationen durch.

Die internationale Konferenz fand vom 11. bis 14. März in der Universität Tohoku Gakuin in der Stadt Sendai statt – einem Ort, der weniger als 100 km vom Kraftwerk Fukushima-Daiichi entfernt liegt. Die 185 Kirchenvertreterinnen und -vertreter, die vorwiegend aus Südkorea, Taiwan, Deutschland und der Schweiz anreisten, tauschten ihre Gedanken zum Thema der Nutzung von Kernenergie aus. Mit einer Gedenkfeier erinnerten sie an das Drama vom 11. März 2011.

«Die Energie wirft wichtige ethische Fragen auf», sagte der Ethikbeauftragte des SEK, Otto Schäfer, am 13. März in Sendai. «Wie können wir die Last tragen, die uns in Form von Abfällen, Verschmutzung, Risiken und Katastrophen aufgeladen wird? Diese Probleme können nicht nur mit technischen und ökonomischen Überlegungen gelöst werden. Sie fordern ethische Entscheidungen. Wie sieht eine Energiebewirtschaftung aus, die die Menschenwürde respektiert und unsere wunderbare Erde schont?», fragte Pfarrer Dr. Otto Schäfer.

Das Zeitalter der fossilen Energie gehe dem Ende entgegen, betonte Schäfer. Die häufigsten Reaktionen auf diese Tatsache verglich Otto Schäfer mit den fünf Sterbephasen, wie sie die Schweizer Psychologin Elizabeth Kübler-Ross beschrieb: Die Verdrängung, die Wut, das Verhandeln, die Depression und schliesslich die Akzeptanz. Der Übergang in die «post-fossile» Ära könne als Lernprozess verstanden werden, den man durchmachen müsse. Eine Prüfung, aus der man gestärkt hervorgehe, schloss der Theologe.

Zur Schweizer Delegation zählten ausser Otto Schäfer, der als Referent eingeladen worden war, Magdalena Zimmermann als Vertreterin von mission 21 und Peter Dettwiler, Koordinator der OeMe-Fachstelle bei der Zürcher Landeskirche, als Vertreter des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes. Mit einem Betrag von rund CHF 390‘000, welche unter anderem von mission 21 und dem Kirchenbund nach der Katastrophe vom März 2011 in Schweizer Kirchgemeinden gesammelt worden war, wurden verschiedene Projekte zugunsten der Bewohner in der Region Fukushima unterstützt.

» Bericht des SEK-Delegierten Peter Dettwiler über die Konferenz