Osterkollekte für ehemalige Verdingkinder

Die Osterkollekte der reformierten Kirchen fliesst dieses Jahr in den Soforthilfefonds für ehemalige Verdingkinder. Der vom Bund errichtete Fonds ist keine Entschädigung für erlittenes Unrecht, sondern eine Geste der Solidarität gegenüber den Betroffenen, die heute in einem vorgerückten Alter sind und rasche finanzielle Hilfe benötigen.
Paul Senn, FFV, Kunstmuseum Bern, Dep GKS.©GKS.

Jahrzehntelang, bis 1981, wurden in der Schweiz Zehntausende von Kindern und jungen Erwachsenen aus wirtschaftlichen, sozialen oder moralisch-sittlichen Gründen in Fremdfamilien oder Heimen platziert und sogar in Gefängnisse gesteckt. Unzählige Kinder wurden misshandelt und leiden heute noch unter den Folgen.

Lange Zeit verschloss die Schweiz ihre Augen vor dieser Tatsache. Doch seit zwei Jahren ist Bewegung in die Sache gekommen, unter anderem dank des Runden Tisches, den Bundesrätin Simonetta Sommaruga 2013 eingesetzt hat. An diesem Runden Tisch wirken ehemalige Verdingkinder, Vertreter der Behörden und Sozialinstitutionen sowie Delegierte der Kirchen und des Bauernverbandes mit. Nun hat das Gremium einen Soforthilfefonds eingerichtet für betagte Betroffene, die sich in einer finanziell schwierigen Lage befinden.

Die reformierten Kirchen der Schweiz sind einem Aufruf des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes gefolgt und organisieren im Frühjahr 2015 eine Kollekte zur Unterstützung dieses Soforthilfefonds. Viele von ihnen sehen für diese Kollekte den Ostersonntag vor, da dann die meisten Gottesdienstbesucher erwartet werden. Der Kirchenbund stellt den Pfarrerinnen und Pfarrern einen Kollektentext zur Verfügung.

Diese Geste der Solidarität ist ein erster Schritt zur historischen Aufarbeitung der Rolle der Kirchen in jener Zeit. Dabei wird auch die Funktion der damaligen kirchlichen Verantwortungsträger zu beleuchten sein. Zwar existieren positive Vorbilder wie das des Pfarrers Albert Wild, der in seinem bereits 1907 erschienenen Buch die Missbräuche anprangerte, doch andere Vertreter der damaligen Pfarrschaft spielten eine weniger erfreuliche Rolle. Dabei darf man nicht vergessen, dass die Pfarrer zu jener Zeit einen grossen Einfluss auf die Gesellschaft hatten.

Die Kollekten werden direkt an den Soforthilfefonds der Glückskette überwiesen (Spendenkonto 14-444422-2, IBAN CH96 0900 0000 1444 4422 2; Glückskette, 1211 Genève 8, Spezialfonds)“

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