"Heilige Unberechenbarkeit der Worte"

Kirchenbundspräsident Gottfried Locher zum Tod von Pfarrer Kurt Marti.
EPD

«Heilige Unberechenbarkeit»: Kurt Marti sprach von Gott so, wie es niemand erwartete.  Seine Worte trafen, und sie trafen oft wie Pfeile. Seine eigene, die reformierte Kirche, hatte Marti zu gern, als dass er sie verschont hätte: ‹Die reformierte Kirche ist verletzbar, indem sie die geistige Freiheit zulässt. Das ist ihre Stärke und Schwäche zugleich.› Martis Analyse trifft unverändert zu.

Der langjährige Pfarrer an der altehrwürdigen Berner Nydeggkirche sah sich nicht als Schmieröl im bestehenden Machtapparat. Seine Kraft galt vielmehr denjenigen, die nicht gehört wurden. Ihnen lieh er seine Stimme - und was für eine: Marti sprach so, dass man nicht weghören konnte. Und er schrieb so, dass seine Texte noch immer jung sind: lebensnah und farbig, und doch auch präzise und im besten Sinn theologisch. Marti erzählte das Leben und sprach doch von Gott. In vielen von uns haben sich seine Worte eingenistet.

Mit 96 Jahren ist er nun gestorben. Im Namen unseres Rates spreche ich seinen Angehörigen die herzliche Anteilnahme des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes aus.