Neue Publikation zur reformierten Beteiligung in der Heim- und Verdingkinderpraxis

Die Geschichte der Heim- und Verdingkinder ist ein dunkles Kapitel der Schweizer Geschichte. Viele Kinder und Jugendliche hatten in Fremdplatzierungen unter Ausbeutung und Missbrauch zu leiden. Das neulich im TVZ-Verlag erschienene Buch „Heim- und Verdingkinder – Die Rolle der reformierten Kirchen im 19. und 20. Jahrhundert“ ist ein wichtiger Schritt zur Aufarbeitung der reformierten Beteiligung in der Geschichte von Fremdplatzierungen. Ferner zeigt das Buch, welche Lehre aus dieser dunklen Geschichte gezogen werden können.
© TVZ Verlag

Das Buch „Heim- und Verdingkinder – Die Rolle der reformierten Kirchen im 19. und 20. Jahrhundert“ wird von Esther Gaillard, Mitglied des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds (SEK) und von Dr. theol. Simon Hofstetter herausgegeben. Die Beiträge zeigen, so Hofstetter „eine erstaunlich enge Verbindung zwischen reformierten Akteuren und staatlichen Behörden. Oftmals hatten die staatlichen Behörden weder Interesse, noch Ressourcen oder Fähigkeiten, um angemessen mit Heim- und Verdingkindern umzugehen. So sprangen kirchliche Vertreter (oder andere Vereine) in die Bresche“. Bemerkenswert ist, dass vielerorts – gerade angesichts der engen Verbindung zwischen kirchlichen und staatlichen Behörden – die Aufsicht und Kontrolle fehlten; Missbräuche konnten so kaum aufgedeckt werden.

Das Buch ist das Ergebnis einer Tagung, in welcher Expertinnen und Experten aus Politik, Verwaltung, Kirche und Wissenschaft der Frage nachgingen, in wie weit reformierte Akteure in die damalige Praxis fürsorgerischer Zwangsmassnahmen involviert waren. Ferner zeigt das Buch auch die Lehren, die aus der Vergangenheit gezogen werden sollen.

Die Beteiligung reformierter Akteure in der damaligen Fremdplatzierungspraxis war vielfältig. Protestantische Vereine unterhielten eigene Heime oder sie vermittelten Pflegeplätze, zudem fungierten reformierte Ortspfarrer als Auskunfts- oder Triagestellen für lokale Fremdplatzierungen.

Das Buch ist im Handel oder beim Verlag erhältlich.