Bildung

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„Arbeitsgruppe Bildungsforum“

Die „Arbeitsgruppe Bildungsforum“ beobachtet im Auftrag des Rates die aktuelle bildungspolitische Diskussion zum Thema Religion und Schule sowie die Entwicklungen rund um den Lehrplan 21 und dessen Umsetzung in den Kantonen. Darüber hinaus beschäftigt sie sich mit ergänzenden Aspekten der bildungspolitischen Diskussion zu religiöser Bildung in Kirche, Schule und Gesellschaft sowie mit Entwicklungen und Initiativen im Bereich kirchlicher Bildungsarbeit. Sie sorgt dabei für eine sprachregionenverbindende Sicht in ihrer Arbeit und ihren Berichten an den Rat, insbesondere zwischen der deutsch- und französischsprachigen Schweiz. In diesem Rahmen schlägt sie Thesen zum Religionsunterricht vor.

Der Rat erneuerte im April 2014 das Mandat der Arbeitsgruppe und bestätigte ihren bisherigen Präsidenten Martin Schmidt und die bisherigen Mitglieder Vital Gerber sowie Thomas Schlag.

Bildungspolitische Positionen des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes und Konsultationseingabe zum Lehrplan 21

Stellungnahme des Rates zum Bereich „Ethik – Religionen – Gemeinschaft“ im Lehrplan 21.

Ende Juni 2013 wurde der überarbeitete Entwurf des Lehrplans 21 veröffentlicht und zur Konsultation freigegeben. Bereits im März hatte der Rat der «Arbeitsgruppe Bildungsforum» den Auftrag gegeben, einen Entwurf der Position des Rates zu kirchlicher Verantwortung im Bereich schulischer religiöser Bildung zu erarbeiten und dabei insbesondere die aktuellen Diskussionen zum Lehrplan 21 zu berücksichtigen.

In seiner Konsultationseingabe begrüsste der Rat, dass mit dem Entwurf des Lehrplans 21 die Voraussetzungen für einen obligatorischen Religionsunterricht in der Volksschule als eigenes Fach oder im Rahmen des Natur-Mensch-Mitwelt-Unterrichts geschaffen werden. Er vermisste jedoch den konkreten Bezug auf die jüdisch-christliche Überlieferung, welche die Schweiz geistesgeschichtlich und kulturell geprägt hat. Der Lehrplan 21 solle dahingehend ergänzt werden, dass der Religionsunterricht nicht nur beschreibend stattfindet, sondern auch dem persönlichen Bezug der Schülerinnen und Schüler zum Thema Raum gibt. Zudem wies er darauf hin, dass die Kompetenzen von kirchlichen Fachstellen in Religionspädagogik und die Reflexions- und Diskursfähigkeit der ausgebildeten Theologinnen und Theologen für die Schulen wertvolle Ressourcen sein können.

Stellungnahme des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes zur Vernehmlassung für einen Bildungsrahmenartikel in der Bundesverfassung

Die unbestrittene Bedeutung einer qualitativ hochwertigen Bildung für alle Menschen in unserem Land ist eigentlich selbsterklärend. Die evangelischen Kirchen rechnen mit Menschen, die in grosser Freiheit und eigenständiger Verantwortung ihre Glaubensentscheidungen treffen und die ethische Ausrichtung ihres Lebens vernunftgeleitet wählen.

Die Befähigung zu selbständigen Entscheidungen geschieht nicht voraussetzungslos. Eine der wichtigsten Voraussetzungen besteht in einem gut ausgebauten und allen Menschen zugänglichen Bildungs- und Ausbildungsangebot. Ziel der staatlich verantworteten Bildung muss sein, die Menschen in die Lage zu bringen, sich über ihre Handlungsmöglichkeiten ins Bild zu setzen sowie langfristige, soziale, ökonomische, und ökologische Folgen ihres Tuns und Unterlassens abzuschätzen. Schliesslich geht es auch darum, den Menschen eine Berufsausbildung zu gewährleisten, die ihren Fähigkeiten und Neigungen entspricht und ihnen eine befriedigende Erwerbstätigkeit ermöglicht.

Die evangelischen Kirchen in der Schweiz setzen in gleicher Weise auf die Bildung, wie dies eine lebendige, entwicklungsfähige Demokratie tut. Die gegenwärtige noch immer gültige Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen für Schule und Bildung wurzelt in einem Ausmass in der Vergangenheit, das zur Bewältigung der aktuellen und zukünftigen Herausforderungen als überholt erscheint. Internationale Studien (TIMS, PISA) stellen die oft behauptete Erfolgsgeschichte unseres Bildungssystems in wichtigen Bereichen in Frage. Der Bildungsföderalismus stösst an seine Grenzen, weil die Bewohnerinnen und Bewohner eines Kantons im Laufe ihres Lebens die Kantons- und Landesgrenzen aus vielfältigen Gründen häufig, ja regelmässig überschreiten und in zunehmendem Masse ohne Einschränkungen überschreiten wollen. Nur noch wenige Menschen verbringen wesentliche Teile ihres Lebens an ihrem Geburtsort. Kantonsgrenzen spielen im alltäglichen Leben kaum mehr eine Rolle. Unser Bildungssystem braucht einen Rahmen, der internationale Mobilität ermöglicht.

Aus diesen Gründen hält der Rat des Kirchenbundes die heutige Aufgabenteilung im Bildungsbereich zwischen Bund und Kantonen für nicht mehr zeitgemäss. Gesamtschweizerische einheitliche Regelungen über die Dauer der Bildungsstufen, ihrer Übergänge und die Anerkennung der Abschlüsse sind notwendig. Für die nationale und internationale Vergleichbarkeit der Qualität sind nationale Vorgaben über die Lehrziele wichtig. Mit anderen Worten: aus unserer Sicht ist es die Aufgabe des Bundes, die grundlegenden Ziele festzulegen. Für die Zielerreichung ist den Kantonen ausreichend Spielraum zu lassen.

Deshalb unterstützt der Rat des Kirchenbundes den Erlass eines Bildungsrahmenartikels in der Bundesverfassung.