Ekklesiologie

CC/Angelo Amboldi

Ekklesia, das griechische Wort für Kirche, meint in der Antike die ordnungsgemäss berufene politische Gemeinde bestehend aus stimmberechtigten freien Männern. Die neutestamentlichen biblischen Schriftsteller bedienten sich dieses Wortes aus dem politischen Situationszusammenhang, um damit die neuen Gemeinden, die sich in der Nachfolge Jesu Christi bildeten, zu bezeichnen. In der Übersetzung wird ekklesia mit „Kirche“ wiedergegeben. So sind dem Wort Kirche von Anfang an zwei Bedeutungsfelder eigen. Das eine betrifft ihre äussere Gestalt: Kirche ist die öffentliche Versammlung der „Herausgerufenen“ (so die wörtliche Übersetzung des Wortes ekklesia). Das andere bezieht sich auf den theologischen Gehalt, auf das, was die öffentliche Grösse im Innersten zusammenhält. Das ist kurz gesagt: Jesus Christus.

Kirche ist dort, wo sich Evangelium ereignet, wo es der Gemeinde kommuniziert wird und wo sie es lebt und bezeugt. In der Ausübung von Glaube und Gebot findet Kirche statt. Oder in der Verkündigung und der Verwaltung der Sakramente, wie Calvin in seiner Institutio genauer fokussiert: „Denn überall, wo wir wahrnehmen, dass Gottes Wort lauter gepredigt und gehört wird und die Sakramente nach der Einsetzung Christi verwaltet werden, lässt sich auf keinerlei Weise daran zweifeln, dass wir eine Kirche Gottes vor uns haben“ (IV, 1,9). Das kann überall dort stattfinden, wo „zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind“ (Mt 18, 20).

Immer wieder wurde und wird die Bedeutung der Gemeinde, der Gemeinschaft des gelebten Glaubens dem Wort Kirche in der Bedeutung von Institution und Organisationsform entgegengehalten. In diesem spannungsvollen Verhältnis verbirgt sich die Frage wie viel Institution der Gemeinschaft zuträglich ist. Zudem wird in dieser Dialektik deutlich, dass mit dem Fortbestand des gelebten Glaubens in der Geschichte auch die Sozialgestalt von Kirche einhergeht. Die Erkennbarkeit der Gemeinschaft als die eine Kirche Christi hängt mit ihrer Sozialgestalt zusammen. Die Spannung zwischen Kirche als Institution und Kirche als gelebte Gemeinschaft ist offen zu halten, denn beide bedingen einander und verhalten sich zueinander produktiv.

Die Existenz der Kirche ist eng mit ihrem Auftrag, das Evangelium in Wort und Tat vor aller Welt zu bezeugen, verbunden. Die Kirche bedarf der Organisation, damit sie Gemeinschaft sein kann, die imstande ist, ihren Auftrag – der Welt die Zuwendung Gottes zu allen Menschen in Wort (Verkündigung) und Tat (Diakonie) an ihrem Ort und zu ihrer Zeit zu bezeugen – zu erfüllen.

In seinen Strukturen ist der Kirchenbund so angelegt, dass Gemeinschaft realisiert und der an sie gebundene Auftrag – Zeugnis der Zuwendung Gottes allen Menschen gegenüber – befolgt wird. Der Kirchenbund fördert die Verbundenheit zwischen den Mitgliedkirchen und den Austausch mit den Partnerkirchen im In- und Ausland. Zudem pflegt er Beziehungen zu ökumenischen Organisationen und Bündnissen, zum Judentum und weiteren Religionsgemeinschaften. Darüber hinaus ist er im Kontakt zu den Werken und Missionsorganisationen. Weiter erarbeitet und veröffentlicht er Texte zu kirchlichen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Debatten, in welchen theologische und ethische Inhalte, Anliegen und Ansprüche einer breiten Öffentlichkeit zugänglich werden.