Forum Christlicher Führungskräfte

Mut zur Demut – Der Glaube als Richtschnur für christliche Führungspersönlichkeiten

Gottfried Locher auf dem Forum Christlicher Führungskräfte, 23.-24. März 2012, Bern.

Das neugegründete Forum Christlicher Führungskräfte möchte eine Plattform für engagierte Christen in Führungspositionen bieten, die ihre Werte im täglichen Chef sein in die Tat umsetzen wollen. Mit Werten die Zukunft gestalten lautet der Leitspruch der Organisation, in deren Patronatskomitee der Ratspräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes Gottfried Locher Einsitz nimmt.

Bericht vom ersten Forum

Mit der Tagung FORUM 2012 stellte sich das Netzwerk vom 23.-24. März 2012 in Bern zum ersten Mal der Öffentlichkeit vor. Etwa 500 Teilnehmer, darunter mehrheitlich Führungskräfte aus KMU, Vertreter der Landeskirchen und der Freikirchen sowie rund 100 verschiedene Unternehmen beteiligten sich an dem Forum, das von nun an im Wechsel mit dem deutschen Partnernetzwerk alle zwei Jahre stattfinden soll.

Das FORUM führt Menschen zusammen, die Veränderungen im Bereich des Wirtschaftens anstreben, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der gravierenden Ereignisse im Zuge der Finanz- und Währungskrisen. Das Engagement des Ratspräsidenten innerhalb des Forums verdeutlicht das Anliegen des Kirchenbundes, sich bei wirtschaftsethischen Themen zu engagieren. Das Rahmenprogramm der Tagung bildeten die Vorträge bekannter Persönlichkeiten aus Kirche, Forschung und Wirtschaft. Neben Gottfried Locher sprachen unter anderen Bischof Felix Gmür als Vertreter der Schweizer Bischofskonferenz, der Wirtschaftsethiker Prof. Werner Lachmann und Alt-UBS-Kader Prabhu Guptara.

Der Ratspräsident ging unter dem Titel “Christ sein – Chef sein. Vom Wert der Verantwortung” auf die Herausforderungen ein, als Führungskraft den christlichen Glauben in der Wirtschaftswelt zu behaupten. Und mehr noch: durch den Glauben zu einem besseren Chef zu werden. Für Locher ist dabei die Reihenfolge klar: „Das wäre ein trauriger Chef, der meint, jemand zu sein, weil er Chef ist. Als ob das vor Gott wichtig wäre, wer wo in der menschlichen Rangordnung sein Leben geführt hat! Wir müssen die Reihenfolge umkehren, wenn wir unseren Glauben ernst nehmen: Christ sein, das kommt zuerst.“ Auch wenn die beiden Realitäten als Christ und Chef bisweilen schwer zu vereinbaren seien (man denke an Entlassungen, Sparvorgaben und Sachzwänge), so gebe der christliche Glaube doch eine Richtschnur vor, die auch im unternehmerischen Handeln eine wertvolle und hilfreiche Ressource für die ethisch reflektierte Entscheidungsfindung sei. Ausgehend von dieser Überzeugung regte Locher an, die Demut als unternehmerische Tugend stärker zu berücksichtigen: „Demut ist keine unterwürfige, keine devote Haltung. Demut ist nicht, wenn jemand kuscht. Demut ist vielmehr das Bewusstsein, dass Gott allmächtig ist. Demut relativiert mein eigenes Tun. Demut verändert mein eigenes Handeln.“ Deutlich wurde das Anliegen Lochers, eine Hilfestellung für die Anwendung christlicher Ideale im Chef-Alltag zu geben: Achtsamkeit und Aufmerksamkeit gegenüber den Mitmenschen, sich selber und gegenüber Gott. Sich Fehler eingestehen, realistisch sein und nichts verklären. Und Misserfolge als Möglichkeit zur Reflexion verstehen: „Die vielen kleinen und großen Demütigungen in unserem Leben sind nicht sinnlos. Sie sind eine Art von Medizin gegen den Hochmut. Und es ist wie bei den Arzneimitteln: Die bittersten sind oft die wirksamsten.“

Mit diesen Aussagen traf der Ratspräsident bei vielen Anwesenden auf offene Ohren. Wie sich in der anschliessenden Diskussion zeigte, ist es ein Anliegen vieler Führungskräfte, Unterstützung zu finden, um den Glauben in die unternehmerische Tat umzusetzen. Locher verstand es, die Anregungen der übrigen Vorträge aufzugreifen und die angesprochenen christlichen Prinzipien praxisnah aufzuarbeiten. Die Botschaft, an deren Verbreitung der Kirchenbund wie auch das Forum weiterarbeiten möchten, lautet dabei: Menschen Mut zum Glauben und zur Demut geben – auch in der Domäne des Wirtschaftens.

Bericht: C. Lucas Zapf