Jüdisch-evangelischer Dialog

In gegenseitiger Achtung auf dem Weg

Gemeinsame Erklärung zum Dialog von Juden und evangelischen Christen in der Schweiz

Die vorliegende Erklärung der EJGK ist die erste gemeinsame offizielle Erklärung von Juden und Christen zum Dialog, der vor mehr als sechzig Jahren begonnen hat.

Dass sie eine gemeinsame Erklärung ist, markiert einen Meilenstein in der Geschichte der christlich-jüdischen Beziehungen. Sie spiegelt die Entwicklung eines Dialogprozesses wider, der nach der Schoa einsetzte und im Rahmen von persönlichen Begegnungen, jüdisch-christlichen Arbeitsgruppen und Kontakten auf der Ebene der nationalen Gremien beider Gemeinschaften stattfand und fortgesetzt wird. Aus diesem Prozess gingen im Verlauf der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vielfältige Bemühungen der evangelisch-reformierten Landeskirchen um einen respektvollen Umgang mit dem Judentum hervor. Diese zeitigten Wirkung etwa im kirchlichen Religionsunterricht und in der Erwachsenenbildung.

Im Verlauf dieses Dialogprozesses sind das Verständnis füreinander und das gegenseitige Vertrauen stetig gewachsen. Angesichts der im Dialog gewonnenen Erfahrungen strebt diese gemeinsame Erklärung keine gegenseitige theologische Definition des Verhältnisses von Kirche und Judentum an, sondern stellt Wesen und Bedeutung des Dialogs selbst in den Mittelpunkt, denn ein echter Dialog setzt voraus, dass keine Gruppe auf die jeweils andere Zwang ausübt oder das religiöse Selbstbestimmungsrecht der anderen in Frage stellt.

Deshalb setzt diese Erklärung beim Begriff der Freiheit ein, der sowohl aus der Perspektive des modernen Menschen als auch in der Bibel eine zentrale, wenn auch für Juden und Christen unterschiedlich ausgeprägte Rolle spielt. Konstitutiv für beide Traditionen ist auch, dass Freiheit Verantwortung einschliesst. Grundlegend für beide ist zudem die Orientierung an der Schrift. Nach einleitenden Worten über den Dialog folgen die hier vorgelegten Thesen daher dem Dreischritt Freiheit - Schrift - Verantwortung.

Die vorliegende Erklärung dient als Grundlage zur Weiterentwiclung, Verbreitung und Vertiefung der Kultur des Respekts und des Dialogs. Sie wendet sich an die Mitglieder jüdischer und evangelischer Gemeinden, insbesondere an Menschen, die in der Predigt-, Erziehungs- und Bildungsarbeit tätig sind.

Medienkonferenz am 27. Oktober 2010
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