Minarettinitiative

Über Minarette lässt sich streiten – über ihr Aussehen, ihre Bauhöhe oder ihren Standort. In die Schlagzeilen kommen die Türme aber nicht deshalb, sondern weil über ihre Funktion und Bedeutung sowie die Frage, ob es sie überhaupt geben sollte, heftig debattiert wird.

Fragen zur Ästhetik etc. sind architektonischer und baurechtlicher Art. Fragen nach der Symbolik und öffentlichen Sichtbarkeit betreffen aber nicht Gebäude, sondern die Religion, die so sichtbar wird und die Menschen, für die diese Gebäude Teil ihres zuhause bedeuten.

Religiöse Symbole – so die kritischen Stimmen – müssen passen: in den Ort, in die Landschaft, zu den kulturellen und religiösen Gewohnheiten und ‹Werten›. Aber wann passt ein Gebäude wohin? Und wie stimmt ein Turm mit irgendwelchen Überzeugungen und Traditionen überein und wie nicht? Was passt und was passt nicht? Und woran orientiert sich das Passende und Unpassende? Darauf gibt es nur eine einfache und zugleich hochkomplexe Antwort: Etwas passt dorthin, weil es zu den Menschen gehört, die dort leben. Und etwas passt nicht an einen Ort, weil es dort niemanden gibt, für den es Bedeutung hat.

Über Minarette diskutieren heisst, über die Menschen zu reden, für die Minarette eine besondere Bedeutung haben.