Religionslandschaft Schweiz - die reformierte Kirche

Grundsätze der reformierten Kirchen der Schweiz

Die evangelisch-reformierten Kirchen in der Schweiz sind dem Evangelium (= frohe Botschaft’) Jesu Christi verpflichtet. Das Evangelium ist die Grundlage und der Impuls, aus dem die reformierte Kirche lebt und nach dem sie sich immer wieder reformieren will. Die historische Reformation hat die oft verschütteten biblisch-fundierten Grundsätze wieder freigelegt. Diese Grundsätze sind noch heute für die Reformierten wegweisend. Solche Grundsätze sind zum Beispiel:

  • Christus allein (solus Christus)
  • Allein aus Gnade und allein aus Glauben (sola gratia / sola fide)
  • Allein die Schrift (sola scriptura) Gott allein die Ehre (soli Deo gloria)

Ihre Bedeutung kann wie folgt zusammengefasst werden:

  • solus Christus (Christus allein): Die gütige Liebe Gottes wird offenbar in Jesus Christus, in seiner Geburt in Armut, seinem Leben, seinem Predigen und Heilen, seinem Kreuzestod und seiner Auferstehung. Jesus Christus öffnet den Zugang zu Gott, seinem und unseren Vater im Himmel. Er ruft uns in seine Nachfolge.
  • sola gratia (allein (aus) Gnade) und sola fide (allein (aus) Glauben): Gottes Zuwendung muss nicht erworben werden, sie wird dem Menschen geschenkt (sola gratia). Von uns wird bloss verlangt, dass wir es dabei bewenden lassen und das Geschenk im Glauben annehmen (sola fide).
  • sola scriptura (allein die Schrift): In den Fragen des christlichen Lebens und Glaubens orientieren sich die Reformierten nicht nach Lehrsätzen. Sie haben auch keine Lehrinstanz, die dazu verbindliche Richtlien verordnete. Ihr alleiniger Massstab und Quelle der Erkenntis sind die Schriften des Alten und Neuen Testaments.
  • soli Deo gloria (Gott allein die Ehre): Im Gotteslob kommt zum Ausdruck, dass wir alles Gott zu verdanken haben. Hinter allem Irdischen steht Gottes mächtiges Tun und Wirken. So können wir – indem wir Gott loben – über uns selbst hinauskommen und uns als Teil einer uns übersteigenden Wirklichkeit erleben.
  • Allgemeines Priestertum der Gläubigen: Mit der Taufe erhalten alle das Priesteramt. Die reformierten Kirchen unterscheiden nicht zwischen Klerus und Laien, sondern zwischen allgemeiner und öffentlicher Ausübung des Priesterdienstes. Pfarrerinnen und Pfarrer sind dazu legitimiert öffentlich, also im Auftrag aller und für alle ein Amt auszuüben. In ihrem Amt konkretisiert sich die Aufgabe mit der alle Getauften betraut sind: Das Evangelium durch Wort und Tat in der Welt sicht- und hörbar zu machen.

Die Orientierung an diesen Grundsätzen führt

  • zu vielfältigen, lebendigen Gottesdiensten;
  • zu einer geistlichen Kultur mit Bibellesen, stiller Einkehr und Beten;
  • zur Auseinandersetzung mit Zeitfragen und einer kritikfähigen Gesprächskultur nach innen und aussen;
  • zu seelsorgerlich und sozial engagierten Gemeindediensten und
  • zu ökumenischen und interreligiösen Begegnungen auf dem Hintergrund einer klaren reformierten Position.

Wenn Sie Begleitung in wichtigen Lebenssituationen suchen; das reformierte Gottesdienst-Verständnis ergründen wollen; sich für kirchliche Veranstaltungen, für die Architektur der Bauten aus der Reformation oder für die Struktur der reformierten Kirchen interessieren kommen Sie hier weiter.

Zum Nachdenken

Was lösen die Grundsätze der reformieren Kirchenbei Ihnen aus? Sind Sie Ihnen zu absolut und zu einengend? Oder geben Sie Ihnen Freiraum und / oder Sicherheit?

Links

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Reformierter Weltbund
Oekumenischer Rat der Kirchen