Spitzenlöhne

Faire Spitzenlöhne? Für mehr Masshaltung und Mitbestimmung

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Reichtum und Armut hängen zusammen. Braucht Armutsbekämpfung auch Reichtumsbegrenzung? Diese Aussage und Frage führten an der Neunten Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen ÖRK von Porto Alegre im Februar 2006 zum Beschluss, die Kirchen sollten sich verstärkt mit der Reichtumsfrage auseinander setzen. Armutsbekämpfung könne nicht losgelöst von der Reichtumsfrage diskutiert werden, vielmehr gehe es um eine gerechte Verteilung von Einkommen, Ressourcen und Wohlstand insgesamt.

Als eines der reichsten Länder der Welt ist die Schweiz – und hier insbesondere die Kirchen – gefordert, zur Reichtumsfrage Position zu beziehen. Hinsichtlich der Situation in der Schweiz hat sich der Schweizerische Evangelische Kirchenbund SEK in der Vergangenheit bereits mehrfach zu Wort gemeldet. So haben sich der Kirchenbund und die Schweizer Bischofskonferenz SBK in einer ökumenischen Konsultation zur sozialen und wirtschaftlichen Zukunft für eine Stärkung der unteren Lohngruppen und für eine Begrenzung von Einkommensunterschieden ausgesprochen.

Die Forderung nach begrenzten Einkommensunterschieden ist jedoch nicht nur aus Sicht der gesamtgesellschaftlichen Verteilung zu beurteilen. Auch unverhältnismässige Einkommensspannen innerhalb eines Unternehmens sind aus ethischer Sicht problematisch. In diesem Sinne wird im vorliegenden Diskussionsimpuls die Frage nach der Verhältnismässigkeit von Entschädigungen von Verwaltungsratspräsidien und Mitgliedern der Geschäftsleitung bei ausgewählten Schweizer Unternehmen gestellt.

Das Thema eines «gerechten Lohns» ist dabei so alt wie wirtschaftliche, arbeitsteilige Tätigkeit überhaupt. Es ist auch eine klassische Frage der Wirtschaftsethik und kirchlichen Sozialethik und Soziallehre. Die Frage von Spitzenlöhnen und der Entlöhnung im Management im Allgemeinen ist – wie jene nach Mindestlöhnen – eine Teilfrage mit besonderer Aktualität. Damit geht einher, dass exponierte Spitzensaläre im Top Management in den letzten Jahren zunehmend in die Kritik der breiten Öffentlichkeit geraten sind. So wurde beispielsweise im Oktober 2006 eine eidgenössische Volksinitiative «Gegen die Abzockerei» lanciert, die sich derzeit im Stadium der Unterschriftensammlung befindet. Die Kontroverse um Spitzenlöhne entlud sich auch auf einem Panel des Open Forum Davos, das der Kirchenbund zusammen mit dem World Economic Forum WEF im Januar 2007 durchgeführt hat.

Anlässlich des Open Forums lag der vorliegende Diskussionsimpuls in einer ersten Version vor. Die Resonanz auf den Text war hoch, sowohl seitens der Medien als auch von Einzelpersonen und Institutionen. Diese verdeutlicht, in welchem hohen Masse die Frage der Spitzenlöhne die Menschen in der Schweiz beschäftigt. Der Diskussionsimpuls hat deshalb zum Ziel, mittels theologisch-ethischer und politisch-ökonomischer Kriterien (Kapitel 3 und 4) eine Orientierung zur Bewertung von Spitzenlöhnen zu geben. Zu Beginn werden zunächst einige Fakten zu Spitzenlöhnen und deren historischen Entwicklung erläutert (Kapitel 2). Der Diskussionsimpuls schliesst mit ausgewählten Handlungsbereichen, die aus theologisch-ethischen und politisch-ökonomischen Kriterien abgeleitet sind (Kapitel 5).