Bulletin 1/2014

Reformationsjubiläum: Welche Projekte plant der Kirchenbund?

Interview mit Serge Fornerod, Projektleiter Reformationsjubiläum und Leiter Aussenbeziehungen


Von Serge Fornerod.

Basisbeteiligung und Interaktivität, der Blick in die Zukunft sowie ein koordiniertes und differenziertes Kommunikationskonzept – diese vier typisch reformierten Merkmale zeichnen die Projekte aus, die der Kirchenbund mit seinen Kirchen im Blick auf «500 Jahre Reformation» im Jahr 2017 lancieren möchte.

Der Kirchenbund lädt alle interessierten Kirchgemeinden und Einzelpersonen ein, sich nach dem Vorbild einer Initiative der Vereinigten Protestantischen Kirche von Frankreich (EPUdF) miteinander über zentrale Themen unseres Glaubens auszutauschen. Unter dem Stichwort «unsere Thesen für das Evangelium» wird der Kirchenbund dafür einen in Frankreich mit grossem Erfolg erschienenen interaktiven Kalender der EPUdF übernehmen, adaptieren und den Schweizer Gemeinden 2015 zur Diskussion und Debatte überlassen. Diese von den Kantonalkirchen organisierte, koordinierte und betreute Arbeit soll danach auf kantonaler Ebene gebündelt und Ende 2016 an den Kirchenbund weitergereicht werden. Aus dem Material wird ein gesamtschweizerischer Thesenkatalog erstellt. Er soll den Kantonalkirchen bei ihren regionalen und lokalen Aktivitäten im Jahre 2017 als roter Faden dienen.

Durch diesen basisorientierten Beteiligungsprozess erhält jede Kirche und jede Gemeinde die Möglichkeit, zur aktuellen Bestandsaufnahme all dessen beizutragen, was den Kern des evangelischen Glaubens 500 Jahre nach der Reformation ausmacht. Das Vorgehen «von unten nach oben» wertet das gemeinsame Endergebnis auf und verleiht ihm grössere Legitimität. Der Thesenkatalog hilft dem Kirchenbund und seinen Kirchen, die wichtigsten Aspekte der schweizerischen Reformation in die internationalen Gespräche und Veranstaltungen im Jahre 2017 einzubringen, die in erster Linie in Deutschland stattfinden werden.

Der Blick in die Zukunft

500 Jahre Reformation zu feiern, bedeutet nicht, das fünfhundertjährige Bestehen einer Kirche oder einer Konfession zu feiern. Die Reformation war und ist die Wiederentdeckung der befreienden Botschaft des Evangeliums für die eigene Zeit und für den eigenen Kontext: Was bedeutet das alles heute für uns, was bedeutet die rechtfertigende Gnade Gottes, die bedingungslose Liebe Christi, die jedem menschlichen Leben Wert verleiht? Ein solches Projekt in unseren Kirchen zu starten, ist weder vergangenheitsorientiert noch konfessionell. Es betrifft jeden Christen und jeden spirituell Suchenden. Darum empfiehlt der Kirchenbund, diesen Prozess so ökumenisch wie möglich durchzuführen und ihn als einmalige Gelegenheit zu ergreifen, um über die Kirche in der Welt von morgen nachzudenken.

Interaktivität und lokale Verankerung

Reformatorische Theologie ist dialogisch. Sie versucht, die Botschaft des Evangeliums je in den gegebenen Kontext zu übersetzen. Beteiligung bedeutet dabei auch Interaktivität und Dialog. Auf der Internetseite www.ref-500.ch, die während der Sommer-Abgeordnetenversammlung 2014 freigeschaltet wird, präsentiert der Kirchenbund deshalb eine interaktive Dialogplattform zur Diskussion der Themen und Herausforderungen rund um die Vorbereitungen des Reformationsjubiläums. Am 31. Oktober 2017 wird der Kirchenbund seine «Thesen für das Evangelium» öffentlich anschlagen. Am darauffolgenden Reformationssonntag findet in jeder kantonalen Hauptstadt und in jeder Gemeinde ein spezieller Festgottesdienst statt, der schweizweit nach derselben Liturgie gefeiert wird.

Eine koordinierte und differenzierte Kommunikation

Damit das alles funktioniert und Wirkung zeigt, bedarf es einer klaren, einfachen und starken visuellen Einheit und Identität. Der Kirchenbund präsentiert unter www.ref- 500.ch eine Internetseite zum Reformationsjubiläum. Die Website präsentiert die schweizweite Dachmarke, das «R» für 500 Jahre Reformation. Jede Kantonalkirche hat ausserdem eine eigene Variante dieses «R» entworfen und unterstreicht damit gleichzeitig ihre eigene kantonale Identität und die Einheit der aus der Reformation hervorgegangenen schweizerischen Kirchen. Die Internetseite ermöglicht den Kirchen, ihre eigenen Überlegungen, Dokumente und Projekte zu veröffentlichen. Die Marke «R» dürfte sich im Laufe der Jahre als distinktives und wiedererkennbares Kennzeichen des Projektes etablieren und wird in vielen Produkten unterschiedlichen Formats und Zuschnitts verwertet werden können.

Das Logo «R» soll bei jeder Veranstaltung unserer Mitgliedkirchen zur 500-Jahr-Feier der Reformation Verwendung finden. Es wird ebenfalls allen zur Verfügung gestellt, die sich mit eigenen Entwürfen hinter «500 Jahre Reformation » stellen möchten. All diese Projekte werden nur dann möglich, wenn die Mitgliedkirchen und vor allem die Gemeinden dies zu ihrem eigenen Anliegen machen, das sie mit Fantasie und Engagement umsetzen.

Der Kirchenbund plant darüber hinaus weitere Projekte, insbesondere ein Wochenende für die evangelische Jugend der Schweiz, eine Musikveranstaltung, eine Veranstaltung mit politischem und eine mit ökumenischem Schwerpunkt. Die Abgeordnetenversammlung im Sommer 2014 markiert den Auftakt für die Projekte des Kirchenbundes, die im Sommer 2018 mit der Vollversammlung der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) in Basel abgeschlossen sein werden. Anfang 2019 werden der Kanton Zürich und die Zürcher Kirche die Fackel übernehmen und sich dabei auf das Werk und die Lehre Zwinglis konzentrieren.