Bulletin 1/2014

Reformationsjubiläum: «Wir feiern die Freiheit»

Interview mit Daniel de Roche, Beauftragter des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes für das Reformationsjubiläum.


Ein schönes, grosses und freudvolles Fest soll es werden, das Reformationsjubiläum in der Schweiz, sagt Daniel de Roche, der Reformationsbeauftragte des Kirchenbundes. Von 2017 bis 2036 dauern die Feierlichkeiten. Danach gilt es, Bilanz zu ziehen. Ein Gespräch.

Ab 2017 wird in der Schweiz des Reformationsjubiläums gedacht. Was genau wird denn gefeiert?

Daniel de Roche: Die Freiheit des Menschen. Eine Freiheitsgeschichte. Die Reformation ist die Wiederentdeckung der christlichen Freiheit aufgrund des Bibellesens. Die Reformatoren haben gemerkt, dass die Liebe Gottes ohne Vermittlung wirkt. Durch die Taufe sind wir mit Gott verbunden.

Was wollten die Reformatoren erreichen – und was nicht?

Die Reformatoren waren überzeugt, dass Christus im Zentrum des christlichen Glaubens stehen muss. Das hatte die Kirche zwar nicht unbedingt vergessen, aber es gab einen Streit darüber, wie der Mensch und wie Gott zu verstehen sei. Die Reformatoren haben gesagt: Gott liebt die Menschen. Das hat er in der Schöpfung und in Christus gezeigt. Das wirkte wie eine Befreiung auf die Menschen. Genauso wie die Aussage der Reformatoren, dass es keine Vermittlung dieser Liebe durch die Kirche braucht. Es braucht den Glauben – die Kirche selber ist nur Instrument, die dafür arbeitet, dass die Menschen glauben können und wollen. Die Kirche ist kein Herrschaftsinstrument.

Was hat die Reformation der Schweiz gebracht? Was davon ist noch heute spürbar?

Erstens hat die Reformationszeit den Menschen in den Städten der Reformation mehr Freiheit gebracht, fortgesetzt in der Aufklärungszeit. Zugleich die Emanzipation der Städte und der Bürgerschaft, sie haben sich als Christen kompetent genug gefühlt, die Kirche zu führen und in ihr zu leben. Zweitens hat sich die Reformationszeit stark auf die Wirtschaft ausgewirkt: Die Reformatoren haben das Zinsverbot aufgehoben. Drittens haben die Armen sehr von der Reformationszeit profitiert. Zwingli hat betont, dass die Armen zum Volk Gottes gehören und die Gemeinschaft ihnen deshalb helfen muss.

Warum feiert der Kirchenbund ab 2017 und wie lange dauern die Feierlichkeiten?

2017 werden viele Kameras und damit eine grosse Aufmerksamkeit auf die reformatorischen Kirchen und ihre Vertreter gerichtet sein. 2017 ist der Startschuss der Reformationsfeierlichkeiten weltweit. Auch wenn die reformatorische Bewegung in der Schweiz erst einige Jahre nach 1517 richtig begonnen hat, gehören die Kirchen in der Schweiz zum christlich-reformierten Europa.

2017 beginnen wir auf nationaler Stufe, dort wird der Kirchenbund federführend sein. Danach geht es in die einzelnen Kantone. 2019 beginnt Zürich, dann folgen andere von Graubünden bis Schaffhausen, Basel bis Bern, Genf bis Neuenburg. Die Feierlichkeiten dauern bis ins Jahr 2036. Dann werden Genf und das Waadtland den Schlusspunkt setzen, die 1536 die Reformation angenommen haben. 2037, also nach zwanzig Jahren, sollte der Kirchenbund dann eine Bilanz ziehen können. Wir versprechen uns eine Stärkung des christlichen Glaubens – übrigens sowohl in der reformierten als auch in der katholischen Kirche.

Was hat der Kirchenbund vor, um das Reformationsjubiläum bekannt zu machen?

Schon unser Vorbereitungskongress in Zürich im vergangenen Jahr, den wir gemeinsam mit der Evangelischen Kirche in Deutschland durchgeführt haben, hat viele persönliche und institutionelle Kontakte gebracht, unter anderem zu unserer Schwesterkirche in Deutschland, die ja schon mitten in ihrer Reformationsdekade ist. Hierzulande nun setzt der Kirchenbund den Startschuss. Wir laden die Gemeinden, die Basis, ein, zu überlegen, was heute die zentrale Botschaft des Evangeliums ist. Wir wollen einen Prozess von unten nach oben. Vor allem aber wollen wir ein schönes, grosses und freudvolles Jubiläum feiern können.

Schon jetzt beginnen wir damit. Wir haben ein Logo entworfen, das wir den Kirchen und allen Interessierten zur Verfügung stellen. Ein grosses R, und im Kopf dieses R können die Kirchen ihr Wappen, ihr Logo, den Kopf ihres Reformators platzieren. Das R ist das Markenzeichen des Reformationsjubiläums.