bulletin 2/2013

Die «Marke» Reformation

Von Serge Fornerod.

Es ist allgemein bekannt: Die Reformation hat einen beträchtlichen Einfluss auf die Geschichte, die Kultur und die politische Struktur der Schweiz. Sie hat dort ebenso prägende Spuren hinterlassen wie in vielen anderen Ländern Europas und den Vereinigten Staaten. Ist mit dieser Erkenntnis die Botschaft für 2017 schon gefunden?

Was wollen wir mit dem Reformationsjubiläum eigentlich feiern? Das Jahr 2017 ist schliesslich mit keinem Ereignis der Reformation in der Schweiz verknüpft. Es ist ein symbolisches Datum für die gesamte protestantische Welt. Zwingli kam 1519 nach Zürich, doch die offizielle Annahme der Reformation fand dort erst 1523 statt. Weitere Städte folgten, bis sich 1536 auch Genf und Lausanne anschlossen. Die 500-Jahrfeier der Reformation vorbereiten bedeutet für den Kirchenbund also, sich auf einen Prozess einzustellen, der mehr als ein Jahrzehnt in Anspruch nimmt.

Unsere Arbeit beginnt mit der Entwicklung eines Kommunikationskonzeptes. Die Reformationsgeschichte der einzelnen Kantone soll gewürdigt werden – vor allem aber geht es darum, sie unter einem gemeinsamen Hut, einer gemeinsamen Marke, einer sichtbaren gemeinsamen Identität zusammenzuführen. Die «Marke» Reformation, um die es uns an erster Stelle gehen muss, besteht nicht im Aufzeigen der historischen und wirkungsgeschichtlichen Spuren der Reformation in der Schweiz – so interessant und nützlich das in unserer heutigen kurzlebigen Gesellschaft und entwurzelten Kultur auch sein mag. Es geht um das Produkt, um die Marke «500 Jahre Reformation». Was haben wir zu sagen? Wie lautet unsere Botschaft? Unser Werbeslogan sozusagen?

Sie haben die Wahl - stimmen Sie über das Reformationsmotto ab!

Der Kirchenbund hat den Ball ins Rollen gebracht. Sie und alle Interessierten haben die Gelegenheit, auf www.sek.ch/de/reformationsmotto mitzubestimmen, welches von den sechs aufgeführten Motti (siehe links) in den kommenden Jahren jede Kommunikation, jedes Treffen und jedes Dokument unserer Kirchen zur Vorbereitung auf «500 Jahre Reformation» begleiten soll. Dieses Motto wird viele Jahre auf Plakaten, Websites, Büchern, Reiseprospekten usw. eingesetzt. Es soll in wenigen Worten den Kern dessen auf den Punkt bringen, was die Reformation vor 500 Jahren angestossen hat und was auch heute noch Gültigkeit hat und relevant ist. Die Reformatoren wollten keine Kirche gründen, ebenso wenig wollten sie sich selbst in den Vordergrund spielen. Sie wollten das Feuer des Evangeliums für alle Gläubigen wiederentdecken, das zur damaligen Zeit unter einer dicken Staubschicht aus Vorschriften, Heiligen, Pflichten und Zwängen verschüttet war. Sie wollten den Generalschlüssel, den Mastercode, zur biblischen Botschaft finden. Wir müssen uns heute an derselben Aufgabe versuchen – unter den für uns geltenden Bedingungen: Gemeindeleben, Freizeitund Konsumgesellschaft, neue Medien und globales Dorf, konfessioneller und religiöser Pluralismus, Individualismus und Säkularisierung.