bulletin 2/2014

Von einer Handtasche als Sinnbild des Reformationsjubiläums

Von Daniel de Roche, Beauftragter des Rates des Kirchenbundes für das Reformationsjubiläum.

Es gibt Dinge, die stehen unübersehbar da, auf dem Weg in die Zukunft. Das Reformationsjubiläum zum Beispiel. Manchmal sind es die kleinen Dinge, die zum Sinnbild solch grosser Ereignisse werden. Und sei es eine Handtasche.

Es war am unterhaltsamen Kulturabend des 8. Oktober 2013 in der Zürcher Peterskirche während des internationalen Kongresses zur Vorbereitung des Reformationsjubiläums. Ich sass in der gleichen Reihe wie Margot Kässmann. Sie ist die Botschafterin des Reformationsjubiläums in Deutschland. In der Pause liess sie ihre Handtasche in der Grösse eines kleinen Koffers vor ihrem Stuhl in der Sitzreihe stehen. So mussten alle über diese Tasche steigen, um in die Pause gehen zu können.

Dieser Schritt ist für mich zu einem Sinnbild geworden: Die Reformation hat in Deutschland begonnen. Aber sie hat Auswirkungen auf der ganzen Welt. Man kommt um Deutschland und um Luther beim Feiern und Nachdenken über die Reformation nicht herum. Aber alle, die sich auf die Reformation berufen, haben ihren eigenständigen Weg gemacht. So auch die Schweizer Reformation, wie an diesem Kongress deutlich wurde. Manchmal mit der deutschen Reformation, manchmal gegen sie und manchmal an ihr vorbei. Immer blieb und bleibt Luthers Thesenanschlag 1517 ein wichtiger Bezugspunkt. Um ihn kommt man nicht herum. Man kann ihn übersteigen, überbieten, aber nicht ignorieren. Wie die Tasche von Margot Kässmann steht das 500. Jubiläum der Reformation unübersehbar auf dem Weg in die Zukunft.

Überzeugungsarbeit

Der Kirchenbund feiert dieses Jubiläum zusammen mit den Mitgliedkirchen, der Politik, der Kultur und allen Interessierten. Er sieht das Jubiläum nicht als Hürde und Hindernis, sondern als Gelegenheit, mit allen am christlichen Glauben Interessierten über die gemeinsamen Wurzeln im Glauben nachzudenken und zu feiern.

Am Anfang wirkte das Nachdenken über das Reformationsjubiläum wie eine Selbstvergewisserung für ein angeschlagenes Selbstverständnis der Reformierten. Doch damit wäre das Jubiläum ein rückwärtsgewandtes Ereignis geworden. Das Jubiläum ist Stärkung und Feier des Glaubens an Jesus Christus. Das Jubiläum ist die Gelegenheit, zu zeigen, wie lebendig der reformierte Glauben ist, denn die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit wird in Europa für die Reformation geschärft sein.

Einige Kantonalkirchen waren sofort bereit, auf diesen Zug aufzuspringen. So hat die Zürcher Landeskirche schon sehr früh erkannt, dass dieses Ereignis eine Gelegenheit ist, die es zu nutzen gilt. Sie hat Stellen und Geld bereitgestellt, um das Jubiläum der Reformation in Zürich zu feiern. Die Zürcher Landeskirche ist deshalb ein wichtiger Partner des Kirchenbundes auf dem Weg zum Jubiläum 2017.

Andere Kirchen empfanden ihr eigenes örtliches Reformationsjubiläum als zeitlich noch zu entfernt, um gleich an eine weltweite Feier zu denken. Schliesslich hat der Reformationskongress in Zürich jedoch viel dazu beigetragen, das Jahr 2017 schweizweit als Chance zu begreifen, den christlichen Glauben ins Gespräch zu bringen. Der Kirchenbund, die Evangelische Kirche in Deutschland und die Zürcher Kantonalkirche versammelten dazu über 200 Gäste aus aller Welt.

Das «R» als Markenzeichen

Der Kirchenbund möchte das Jubiläum modern, vielfältig und farbig kommunizieren. Dem Ereignis von nationaler Tragweite wurde ein bewusst einfaches, verständliches und unmittelbar einleuchtendes Logo an die Seite gestellt. Ein prägnantes und selbstbewusstes «R». Es verdichtet die unterschiedlichen Aspekte der Reformation zu einem lebendigen Zeichen. Erstmals in der reformierten Schweiz gelang es zudem, mit allen Kantonalkirchen eine optional einsetzbare kantonale Variante des Logos zu definieren. Das Reformationslogo ist somit in der ganzen Schweiz zuhause.

Das grüne «R» gibt es als Bastelbogen. Viele haben es schon aufgestellt. Das «R» steht als Symbol der Reformation heute: Jeder Ort, jede Gemeinde kann und soll es als eine wiedererkennbare Form verwenden, aber mit eigenem Inhalt füllen. Die Kommunikation und das «R» werden aber nicht nur in Karton, Aluminium oder Blech stattfinden: Verschiedene Ideen für elektronische Anwendungen bis zu Apps für Smartphones sind in Vorbereitung.

Der rote Faden: Unsere Thesen für das Evangelium

Zwischen Januar 2015 und Juni 2016 sind alle interessierten Gruppen in Kirchgemeinden und Kirchen eingeladen, ihre eigenen Thesen zum christlichen Glauben zu formulieren. Der Kirchenbund fasst die Ergebnisse dieses basisorientierten Prozesses dann zu griffigen Thesen zusammen. Alle Reformierten schreiben gemeinsam die Schweizer Botschaft zum Reformationsjubiläum des Jahres 2017. Diese Botschaft begründet den Beginn des Jubiläumsjahres.

Es folgen im Jahre 2017 drei Veranstaltungen: eine ökumenische Versöhnungsfeier um Ostern, eine nationale, kulturelle und politische Veranstaltung in der Mitte des Jahres und dezentrale Schlussveranstaltungen in den Kantonen. An all diesen Veranstaltungen soll die Bedeutung des Evangeliums für das heutige Leben der Kirche und der Gesellschaft zum Ausdruck kommen.

Ein grenzüberschreitendes Feiern

Wir möchten, dass der Beitrag der Frauen, der Jugend und der Hilfswerke zu einer besseren Welt in den Veranstaltungen und Aktionen des Jubiläums zum Ausdruck kommt. Es wird ein schweizerisches Jugendevent geben. Die Frauen werden in allen Gremien auf allen Ebenen vertreten sein und mitbestimmen und mitgestalten. Die Missions- und Hilfswerke unserer Kirchen suchen gemeinsam ein Kollektenprojekt, das den Kampf der Reformierten für eine gerechtere Welt zeigt. So soll die Verwurzelung im Glauben an Jesus Christus in Wort, Feier und Tat im Jahre 2017 in der Schweiz zum Ausdruck kommen.

Der Kirchenbund hat in den vergangenen vier Jahren viel geplant, gedacht und vorbereitet – zusammen mit den Menschen aus den Mitgliedkirchen und den evangelischen Kirchen der Nachbarländer. Dabei sind wir uns nähergekommen und haben voneinander gelernt. Schon allein deshalb hat sich die Planung des Reformationsjubiläums gelohnt. Die gemeinsame Feier des Jubiläums wird uns noch näher zusammenbringen.