Fristenregelung – Communiqué zur Eidgenössischen Volksabstimmung vom 2. Juni 2002

Der Rat des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) begrüsst, dass durch die Annahme der Revision des Strafgesetzbuches in der Frage des Schwangerschaftsabbruches eine anwendbare gesetzliche Regelung geschaffen wurde. Die neue Regelung respektiert und schützt den Gewissensentscheid der Frau, die eine Notlage geltend macht. Der Rat weist aber mit Nachdruck darauf hin, dass die familienpolitischen Rahmenbedingungen weiter zu verbessern sind, um Schwangerschaftsabbrüche aus sozialen oder finanziellen Gründen auszuschliessen.

Der Rat denkt dabei an folgende Massnahmen:

  • Ausbau und Unterstützung bestehender Beratungsstellen und deren Bekanntmachung, sowie die Entwicklung von einheitlichen Qualitätsstandards durch den Bund.
  • Förderung von familienfreundlichen Anstellungsbedingungen
  • Realisierung einer angemessenen Mutterschaftsversicherung
  • Massnahmen zur Bekämpfung der zunehmenden Armut bei Familien; Neuüberdenken der Kinderzulagen
  • Betreuungsangebote für Kinder

Die Kirchen wissen sich aufgerufen, Frauen und Paare in Schwangerschaftskonflikten zu begleiten und unabhängig von deren Gewissensentscheid in ihren Sorgen und Nöten zur Seite zu stehen.

Der Rat weist hin auf die Situation von Pflegepersonen und Ärzten, die aus persönlichen und ethischen Gründen keine Schwangerschaftsabbrüche vornehmen wollen. Sie dürfen keinen beruflichen Nachteilen ausgesetzt werden.

Der Rat hofft, dass die im Abstimmungskampf entstandenen Spannungen zwischen Befürwortern und Gegnern wieder abgebaut werden können. Wichtig ist jetzt der gemeinsame Einsatz für die Verbesserung der familienpolitischen Rahmenbedingungen.

Verfasser: 
SEK - Rat