Herbstsession des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes

Am 11. und 12. November tagte im Berner Rathaus die Abgeordnetenversammlung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK). Themen waren unter anderem der Expertenbericht zum Religionsartikel, die Aufnahme vier neuer Mitgliedkirchen in den SEK sowie die Zusammenarbeit mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK).

Nach der Medienpräsentation Ende Oktober stellte die Expertengruppe „Religionsartikel“ nun der Abgeordnetenversammlung des SEK ihren Bericht vor. Ihr Auftrag war es, die mögliche Stossrichtung eines Religionsartikels in der Bundesverfassung zu erarbeiten. Die konkreten Formulierungsvorschläge für den Religionsartikel betreffen das Selbstbestimmungsrecht der Kirchen und die Regelung der Beziehungen des Bundes zu Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften. Die Abgeordnetenversammlung hat den Bericht gutgeheissen. Diskutiert und einhellig abgelehnt wurde die Lancierung einer Volksinitiative zur Durchsetzung des Religionsartikels. Statt dessen wurde dem geplanten Vorgehen des Rates SEK zugestimmt, der die Diskussion nun innerhalb der Mitgliedkirchen, mit den Schwesterkirchen und in der breiten Öffentlichkeit fortsetzen möchte.

Ab Januar 2003 wird der SEK vier neue Mitgliedkirchen haben. Es handelt sich dabei um die Evangelisch-Reformierte Kirche des Kantons Nidwalden, um den Verband der evangelisch-reformierten Kirchgemeinden des Kantons Obwalden, um die Evangelisch-reformierte Kantonalkirche Schwyz und um die Evangelisch-reformierte Landeskirche Uri. Die vier Zentralschweizer Kirchen waren bisher im Evangelisch-Reformierten Kirchenverband der Zentralschweiz (EKZ) organisiert, der sich jedoch zu Ende des Jahres auflöst. Die Weiterführung des Diasporaverbandes, zu dem ehemals auch die Tessiner, die Luzerner und Zuger Kirchen gehörten, war aus verschiedenen Gründen als nicht mehr notwendig und sinnvoll erachtet worden. Die Evangelisch-Reformierten Kirchen von Schwyz, Obwalden, Nidwalden und Uri werden Direktmitglieder des SEK. Anstelle von 22 Mitgliedkirchen und den EKZ vertritt der SEK damit 26 Kirchen.

Im „Wort des Ratspräsidenten“ berichtete Pfarrer Thomas Wipf von der diesjährigen Tagung des Zentralausschusses des ÖRK. Trotz der derzeitigen Identitäts- und Finanzkrise des ÖRK wird sich der SEK auch weiterhin aktiv an der Arbeit im Ökumenischen Rat beteiligen. Den protestantischen Beitrag zur Umstrukturierung des ÖRK bezeichnete Wipf als sehr wichtig. Insbesondere die Gleichstellung ordinierter Frauen, auch in den interkonfessionellen Andachten des ÖRK, sei eine vorrangige Zielsetzung des SEK. „Wir haben viel einzubringen in die ökumenische Gemeinschaft. Die orthodoxe und die römisch-katholische Tradition braucht diesen evangelischen Beitrag,“ sagte Wipf und verwies gleichzeitig auf die möglichen Impulse, die aus der Diskussion mit den Schwesterkirchen auch für die evangelische Kirche entstehen könnten.