Kirchenbund und EDA im aussenpolitischen Dialog

SEK-Delegation zu Gesprächen bei Bundesrat Joseph Deiss

Eine Delegation des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), des Hilfswerks der Evangelischen Kirchen Schweiz (HEKS) sowie von mission 21 erörterte mit Bundesrat Deiss und Diplomaten des Eidgenössischen Departementes für auswärtige Angelegenheiten (EDA) aussenpolitische Fragen. Neben dem UNO-Beitritt und der Europafrage waren der Dialog der Zivilisationen nach den Terroranschlägen vom 11. September und die Beziehungen der Schweiz zu Südafrika die Hauptdossiers. Von kirchlicher Seite wurde eine Verstärkung des Dialogs zwischen Kirche und Staat in aussenpolitischen Fragen angeregt.

Religiöse und gesellschaftliche Toleranz fördern

Dass Kirchen und Staat in ihrer Haltung zum Beitritt der Schweiz zur UNO nahe beieinander sind, hatte sich bereits beim letzten Treffen im Oktober 2000 gezeigt. Die Treffen, so Bundesrat Deiss, haben bereits Tradition. SEK-Ratspräsident Thomas Wipf regte an, dass der aussenpolitische Dialog zwischen Kirche und Staat verstärkt werden soll. Kirchen und Werke haben dank ihrer humanitären Tätigkeit ausgezeichnete Kanäle zur Basis in China, Indonesien und Südafrika. Das ist Wissen, das aus Sicht der Kirchen noch besser von den Bundesbehörden nutzbar gemacht werden könnte. Der drohende «clash of civilisations» ist eine erneute Herausforderung für Kirche und Staat, dem Mangel an religiöser und gesellschaftlicher Toleranz zu begegnen.

Die Idee einer Kommission für Menschenrechtsfragen, die der Kirchenbund mitinitiiert hat, wurde von Bundesrat Deiss positiv aufgenommen. Das EDA begrüsse eine solche Kommission, sagte Deiss, betonte aber, dass deren Abgrenzung zu anderen Kommissionen (z. B. Rassismus und Frauen) geklärt werden müsse.

Konfliktherd Afghanistan

Höchste Aktualität kommt in der Friedensarbeit und Konfliktbewältigung dem Krisengebiet in Zentralasien zu. Gemäss Schätzungen der UNO werden für den Wiederaufbau in den nächsten Jahren mindestens 15 Mia. Franken benötigt - die Schweiz wird sich mit ca. 20 Mio. Franken in der Entwicklungshilfe und im humanitären Bereich engagieren. Das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (HEKS) hat in Afghanistan in Zusammenarbeit mit anderen Hilfswerken Projekte im Bereich Not- und Überlebenshilfe (Obdach, Bekleidung und Nahrung) im Umfang von 3 Mio. Franken gestartet.

Heikles Dossier Südafrika

Beide Seiten waren sich einig, dass allfällige Sammelklagen gegen Schweizer Unternehmen für Südafrika kontraproduktiv sind. Den sozialen und wirtschaftlichen Problemen am Kap könne mit Versöhnungs- und Aufbauarbeit wirkungsvoller begegnet werden. Darüber hinaus erhoffen sich auch die Bundesbehörden eine liberale Praxis bei der Öffnung der Archive; auch von den Schweizer Banken gäbe es diesbezüglich hoffnungsvolle Zeichen. Zwar hat das Parlament von der Schaffung einer Kommission wie in der Holocaustfrage abgesehen. Kirchenbund und EDA erhoffen sich jedoch von der Arbeit des Nationalfondsprojekts 42+ wesentliche Erkenntnisse. «Wir wären nicht Kirchen, wenn uns die Versöhnung nicht wichtig wäre - aber es muss uns auch um die Wahrheit gehen» begründete Thomas Wipf das kirchliche Engagement.

Delegation

  • Pfarrer Thomas Wipf, Präsident des Rates des SEK
  • Pfarrer Raymond de Rham, Vizepräsident des Rates des SEK
  • Pfarrer Dr. theol. Gottfried Locher, Leiter Aussenbeziehungen SEK
  • Prof. Dr. Hans-Balz Peter, Leiter des ISE
  • Pfarrer Hartmut Lucke, Beauftragter für Aussenbeziehungen des SEK
  • Muriel Beck-Kadima, Menschenrechtsbeauftragte des SEK
  • Pfarrer Franz Schüle, Zentralsekretär Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz HEKS
  • Madeleine Strub-Jaccoud, Direktorin «mission 21», evangelisches missionswerk basel
  • Andreas Stauffer, SEK-Kommunikation