Petition: Suizidprävention jetzt umsetzen!

Rund 600 Fachleute nahmen am ersten nationalen interdisziplinären Kongress zu einem drängenden gesellschaftlichen Thema teil: dem Suizid. In der Schweiz sterben mehr Menschen durch Suizid als im Strassenverkehr. Eine Petition verlangt Abhilfe und vernetztes Denken - in Politik, Bildung und Forschung sollen die entsprechenden Massnahmen getroffen werden.

Zwar haben auch die Kirchen ihren Anteil an der Tabuisierung des Suizids, so war beispielsweise «Selbstmördern» eine kirchliche Bestattung lange verwehrt. Aber nun ist es der Schweizerische Evangelische Kirchenbund, der mit seinem Institut für Sozialethik ISE und seiner Diakoniekonferenz unter der Mitwirkung der Caritas Schweiz diesen ersten Suizidkongress ins Leben gerufen hat. Wie der internationale Vergleich zeigt, gehört die Schweiz in der Suizidstatistik zur Spitzengruppe. Pro Tag nehmen sich durchschnittlich vier Menschen das Leben - es besteht also dringender Handlungsbedarf. Die Kirchen sind mit ihrer seelsorgerlichen Tätigkeit nahe an einem unbequem schlagenden Puls und haben deshalb reagiert. Das Zusammenrufen der Spezialisten verschiedenster Disziplinen ermöglichte eine Auslegeordnung der bestehenden Bemühungen. Darüber hinaus kommen aus der Mitte des Kongresses aber klare Forderungen:

Petition an National- und Bundesrat

Mit einer Petition an die Eidgenössischen Räte und den Bundesrat machen zahlreiche unterzeichnende Fachleute auf ein Problem aufmerksam, das weitreichende Fragen zur Folge hat. Fragen, die nicht alle sofort und zufriedenstellend beantwortet werden können. Was ist mit unserer Gesellschaft los, dass sie eine so hohe Suizidalität begünstigt? Welches sind die Gründe, dass Menschen in eine derartige Isolation geraten können? Die Petition fordert die politischen Verantwortlichen auf, ernst zu machen mit der Suizidprävention und in den Bereichen Bildung und Forschung aktiv zu werden. Aus der Sicht der Unterzeichnenden ist es besonders wichtig, dass - wie am Kongress vorgelebt - die Fachkräfte aus allen Gebieten partnerschaftlich zusammenarbeiten, denn das Phänomen ist wohl nur in einer engen Zusammenarbeit differenziert wahrzunehmen, um adäquate Präventions- sowie Nachsorge-Massnahmen entwickeln zu können. Die Erstunterzeichnenden sind Pfarrer Dr. Ebo Aebischer, Pfr. Michael Dähler, Pfr. Pascal Mösli und Prof. Hans-Balz Peter. Weiter haben u.a. bereits unterschrieben der Philosoph Dr. Hans Saner, Nationalrat Prof. Felix Gutzwiller, sowie die Mediziner Dr. Maja Perret-Catipovic, Prof. Pierre André Michaud und Prof. Konrad Michel

Umsetzung der Erkenntnisse

Eine am Kongress geäusserte Forderung war, dass die Polizeikräfte im Falle eines Suizids möglichst früh seelsorgerliche Fachkräfte beiziehen, damit die Angehörigen in dieser Krisensituation den nötigen Beistand erhalten. Der Suizidkongress versteht sich als Impulsveranstaltung. Bereits am 26. Juni 2002 sollen die Erkenntnisse dieser Tagung an einem Hearing mit den theologischen Fakultäten beider Konfessionen und den zuständigen Professoren ausgewertet werden, um die theologische Ausbildung unter diesem Gesichtspunkt zu überdenken und Weiterbildungsmöglichkeiten ins Auge zu fassen. Schliesslich wird eine breit abgestützte Institution zur Suizidverhütung und -forschung gegründet: eine Gruppe von Fachpersonen hat sich mit diesem Ziel zu einer interdisziplinäre Arbeitsgruppe zusammengeschlossen.

Verfasser: 
Suizidkongress