China – Schweiz: Kirchenbeziehungen verstärkt

Zwischen dem 27. April und dem 2. Mai hat eine offizielle Delegation des chinesischen Christenrates (CCC) und der Drei-Selbst-Bewegung der Protestantischen Kirchen Chinas (TSPM) die Schweiz besucht. Die Delegation folgte einer gemeinsamen Einladung des Schweizerischen Evan-gelischen Kirchenbundes (SEK) und mission 21 nach Bern. Auf dem Programm standen der Aus-bau der chinesisch-schweizerischen Kirchenbeziehungen und die Zusammenarbeit im Bereich der praktischen Kirchenarbeit und der theologischen Ausbildung. Der chinesische Botschafter hat die beiden Kirchenleitungen in seiner Residenz empfangen.

Protestantismus und China – im Verhältnis dieser beiden Begriffe spiegelt sich exemplarisch die wechselhafte Geschichte Chinas. Nach der Errichtung der Volksrepublik am 1. Oktober 1949 hat der chinesi-sche Protestantismus in den fünfziger Jahren auf der Basis der drei Selbstprinzipien (Selbstverwaltung, Selbstfinanzierung und eigenverantwortete Verkündigung) die Kolonial- und Missionskirchen in eine eigene Form der Kirche überführt. Eine Besonderheit dieser Kirche ist, dass sie in sich unterschiedliche protestantische Strömungen vereinigt.

Während der Kulturrevolution wurde der Protestantismus jedoch als «imperialistische Weltanschauung» geächtet. Nach dem langjährigen Verbot des Christentums, das die Christen Chinas zu einem heimlich gelebten Glauben zwang, erfuhr der chinesische Protestantismus nach 1979 ein starkes Wachstum. 1980 gründeten die chinesischen Protestanten zusätzlich zur bereits bestehenden Drei-Selbst-Bewegung den China Christian Council (CCC). Unsere Schätzungen gehen von 20 bis 30 Millionen Protestanten in China aus (im Vergleich dazu waren es im Jahre 1950 nur etwa 700 000). Offiziell anerkannt sind fünf verschiedene Religionen in China: Buddhismus, Islam, Taoismus sowie Protestantismus und Katholizismus, welche als je eigenständige Religionen gelten.

In den letzten zehn Jahren waren die Kontakte zwischen den chinesischen und schweizerischen Protestanten sukzessive ausgebaut worden: Über Christoph Waldmeier, Universitätspfarrer in Hongkong, Mit-arbeiter von mission 21 und seit 1993 China-Beauftragter des SEK, war es zu verschiedenen Treffen mit offiziellen Vertretern der chinesischen Kirche gekommen. Gemeinsame Projekte (mission 21) – vor al-lem im Bereich der theologischen Ausbildung – konnten so realisiert werden. Auch über den ökumeni-schen Arbeitskreis Schweiz-China und im Rahmen eines Programms der Aus- und Weiterbildung von Pfarrern und Pfarrerinnen in den Mitgliedkirchen des SEK wurden in den letzten Jahren viele Kontakte zu chinesischen Protestanten hergestellt.

Zum ersten Mal hat nun auf nationaler Ebene ein Treffen der protestantischen Kirchen Chinas und der Schweiz stattgefunden. Von der Zusammenkunft mit der im vergangenen Jahr neu gewählten Führung der evangelischen Kirche Chinas verspricht sich der SEK eine Stärkung der bestehenden Partnerschaft. Es wurde beschlossen vor Ende Jahr die künftige Zusammenarbeit mit einem «Memorandum of Understanding» verbindlich zu regeln. Dazu gehören die koordinierte Unterstützung der Hilfswerke (mission 21, Brot für Alle) sowie der Austausch in den Bereichen Wirtschafts- und Sozialethik, praktische Kirchenarbeit und kirchliche Organisation. Die Kirchen werden in Zukunft direkte Beziehungen unterhalten. Besonderes Augenmerk richten die Teilnehmenden des Treffens auf die theologische Ausbildung in China: Die vom chinesischen Protestantismus intendierte Überführung der traditionell chinesischen Theologie in eine gesellschaftlich relevante Form setzt insbesondere einen Ausbau der theologischen Lehre voraus.