Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund SEK zu Abendmahl und Wiedertaufe

Empfehlungen zu Abendmahl und Wiedertaufe

Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund SEK hat an einer Medienkonferenz am 9. November in Bern zum Abendmahl in evangelischer Perspektive und zur Frage der Wiedertaufe Stellung genommen. Er begrüsst die praktizierte eucharistische Gastfreundschaft und empfiehlt, sie weiterhin zu pflegen. Er rät indessen aus ökumenischer Rücksicht von Inter- und Konzelebration ab und ermutigt, die ökumenische Zusammenarbeit zu vertiefen. Im weiteren empfiehlt er, dass auf evangelischer Seite der Abendmahlspraxis vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Der Rat SEK empfiehlt seinen Mitgliedkirchen von der Zulassung der Wiedertaufe aus theologischen und ökumenischen Gründen unbedingt abzusehen.

In seiner ausführlichen Stellungnahme begrüsst der Rat SEK die praktizierte eucharistische Gastfreundschaft (offene Einladung zum Abendmahl) und ermutigt, sie weiterhin zu pflegen und in Anspruch zu nehmen, wo sie angeboten wird. In den evangelischen Kirchen sind grundsätzlich alle zum Abendmahl eingeladen, die sich zu Jesus Christus bekennen, unabhängig von ihrer konfessionellen Zugehörigkeit. Das Abendmahl ist ein Gemeinschaftsmahl, zu dem Christus selbst einlädt. Die Einladung wird deshalb offen ausgesprochen. Aus vielen Bereichen ist die eucharistische Gastfreundschaft nicht mehr wegzudenken, etwa aus Gottesdiensten in Spitälern und Heimen oder bei konfessionsgemischten Familien.

Der Rat SEK betont jedoch, dass die Feier des Abendmahls nicht den Eindruck entstehen lassen dürfe, die unterschiedlichen Auffassungen seien überwunden, welche zur Trennung der Kirchen geführt haben. Mit der eucharistischen Gastfreundschaft ist das Ziel noch nicht erreicht. Der Rat SEK empfiehlt aus diesem Grund und aus ökumeni­scher Rücksichtnahme, von Inter- und Konzelebration (gemeinsame Leitung der Abendmahlsfeier durch konfessionsverschiedene Amtsträgerinnen und -träger) im gegenwärtigen Zeitpunkt abzusehen.

Für den Rat SEK gilt es, den in der ökumenischen Zusammenarbeit bereits erreichten Stand anzuerkennen und weiter auszubauen. Er ruft dazu auf, vermehrt gemeinsame Gottesdienste zu feiern und auch von den altkirchlichen Tagzeiten­­­liturgien inspirierte Andachten und Meditationen als ökumenische Chance zu nutzen. Weiter können ökumenische Gottesdienste zum Taufgedächtnis gefeiert sowie gemeinsame Gemeindemahlzeiten durchgeführt werden.

Der Rat SEK empfiehlt auf evangelischer Seite der Abendmahlspraxis in verschiedener Hinsicht vermehrt Aufmerksamkeit zu schenken: Konkret werden die liturgische Disziplin sowie die Häufigkeit des Abendmahls angesprochen. Im ökumenischen Horizont ist auch den Fragen Beachtung zu schenken, was mit den übrig bleibenden Abendmahlselementen nach dem Gottesdienst geschieht und wie die Leitung des Abendmahls wahrgenommen wird.

Nein zur Wiedertaufe

Anlass für eine weitere Stellungnahme des Rates ist die aktuelle Diskussion über die Wiedertaufe in mehreren Mitgliedkirchen des SEK. Er bestätigt, dass die Wiedertaufe weder biblisch noch dogmatisch begründet werden kann und daher abzulehnen ist. Den Kirchen wird empfohlen, von der Zulassung der Wiedertaufe unbedingt abzusehen. Wenn eine der Kirchen in den eigenen Reihen die Wiedertaufe übte, würde sie die eigene Lehre und Praxis der Taufe und damit das eigene Verständnis von Kirche untergraben. Zugleich würde sie sich nicht allein im SEK, sondern auch in den gesamten zwischenkirchlichen und ökumenischen Beziehungen isolieren.

Vielmehr empfiehlt der Rat SEK seinen Mitgliedkirchen, die Anliegen, die hinter dem Gedanken der Wiedertaufe stehen, durch andere Formen kirchlichen Handelns aufzunehmen. Dazu gehören die Taufe von Kindern und Erwachsenen, die Konfirmation von Jugendlichen, der Aufschub der Taufe mit Segnung, das Taufgedächtnis und die Taufbestätigung. In der Praxis muss das Sakrament der Taufe deutlich unterschieden sein von den übrigen gottesdienstlichen Feiern. Wo die Rechtstexte der Mitgliedkirchen diese vielfältige Taufpraxis noch nicht ermöglichen, sollten die Kirchenleitungen eine Anpassung der Bestimmungen vorsehen.

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