Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund tagt in Einsiedeln

Migrationspolitik, Ökumene und Open Forum finden klare Unterstützung

Vom 19. bis 21. Juni sind in Einsiedeln die Delegierten des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK zu ihrer Sommer-Abgeordnetenversammlung AV zusammengekommen. Die nationale Versammlung der reformierten Kirchen hat die Migrationspolitik des Rates SEK entschieden unterstützt, die Ökumene als Hauptaufgabe der Kirchen bestätigt sowie die Weiterführung des Open Forum Davos klar gutgeheissen. Die AV hat am ersten Verhandlungstag den Pfarrer Urs Zimmermann (AG) in den Rat SEK gewählt.

Gastgeber der diesjährigen Sommer-AV des SEK war die Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons Schwyz. Im Dorfzentrum Einsiedeln kamen die Delegierten aus 26 Mitgliedkirchen sowie Vertretungen der Diakoniekonferenz und der Frauenkonferenz zur nationalen Versammlung der reformierten Kirchen der Schweiz zusammen.

Migrationspolitik des SEK wiederum klar bestätigt

Erneut hat die AV den Rat SEK in seiner auf christlichen Werten basierenden Migrationspolitik klar unterstützt. Der Rat SEK fordert, dass Menschen ohne Aufenthaltsrecht den Grundrechtsschutz der schweizerischen Bundesverfassung beanspruchen können, ohne deswegen Gefahr zu laufen, ausgeschafft zu werden. Zusätzlich soll die Möglichkeit einer gruppenweisen Regularisierung geschaffen werden. Neue Gesetze sollen nicht neue Sans-Papiers «produzieren», und Schwarzarbeit muss effizient bekämpft werden. Bei Ausschaffungsmassnahmen setzt sich der Rat für eine gezielte und rechtzeitige Rückkehrberatung und -hilfe ein, um die freiwillige Ausreise zu fördern. Wenn aber zwangsweise Ausschaffungen unerlässlich werden, fordert er die Einhaltung der Allgemeinen Menschenrechtserklärung. Weitere Verschärfungen im Asylrecht, wie sie vom Ständerat beschlossen wurden, lehnt der Rat ab und hofft auf eine Kurskorrektur durch den Nationalrat.

Ökumene bleibt Priorität für die evangelisch-reformierten Kirchen

Einen zentralen Stellenwert nahmen Grundsatzfragen der Ökumene im Zusammenhang mit einem Postulat der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich ein. Der Rat SEK bekennt sich mit Verweis auf die Unterzeichnung der Charta Oecumenica ganz klar zur Ökumene und bekundet seinen Willen, die in der Charta gemachten Selbstverpflichtungen derart in die Praxis umzusetzen, dass sich reformiertes und römisch-katholisches Christentum, aber auch andere christliche Traditionen, weiter annähern könnten. Gleichzeitig hält der Rat fest, dass das reformierte Profil des SEK in der Theologie und in der Kirchenpraxis nicht verleugnet, sondern weiter entwickelt werden solle. Einer schwierigen institutionellen Ökumene steht vielerorts eine blühende Ökumene in den Kirchengemeinden gegenüber. Trotz aller Schwierigkeiten möchte der Rat SEK nicht die eine gegen die andere Seite ausgespielt sehen und vertritt den Standpunkt, dass neben der gelebten Ökumene vor Ort auch die ökumenische Zusammenarbeit der Kirchenleitungen für die Versöhnung der Kirchen wichtig sei.

Eindeutiges Votum für Weiterführung des Open Forum Davos

Schliesslich fand der Evaluationsbericht des SEK zum Open Forum Davos gute Aufnahme in der Versammlung. Insbesondere wurde der differenzierte Umgang des Rates SEK mit der Globalisierungsfrage sowie die Tatsache begrüsst, dass mit dem Open Forum eine Plattform für die öffentliche Fortführung einer solchen differenzierten Diskussion geschaffen worden sei. Damit sei ein starker Beitrag zur Bewusstseins- und Meinungsbildung geleistet worden. Mit Vorlage des Evaluationsberichts zuhanden der AV galt es dem Rat SEK, Transparenz zu schaffen und umfassend über seine strategischen Überlegungen zu informieren. Dabei ist es dem Rat ein ausdrückliches Anliegen, die breite Unterstützung der Versammlung hinter der künftigen SEK-Trägerschaft des Open Forum zu wissen. Diesem Anliegen entsprach die Versammlung deutlich und stimmte einer weiteren Trägerschaft des Open Forum Davos nach einer fruchtbaren wie auch kritischen Diskussion mit 5:57 Stimmen zu.

Zum neuen Mitglied des Rates SEK wählte die Versammlung Urs Zimmermann, Pfarrer in der Kirchgemeinde Wettingen-Neuenhof (AG), der die Nachfolge des auf Ende Juni dieses Jahres zurücktretenden Pfarrer David A. Weiss (LU) antritt. Für Urs Zimmermann, 62jährig, verheiratet und Vater von vier Kindern, bedeutet diese Wahl einen Wechsel von der Legislativen, der er als Delegierter der AV seit 1999 angehört, in die Exekutive.