SEK-Delegation in China

Rasant wachsende protestantische Kirchen Chinas – Intensivierung der Beziehungen

Eine Delegation des SEK hat im Rahmen einer offiziellen Reise die protestantischen Kirchen Chinas besucht, die in überaus starkem Wachstum begriffen sind. Der Umbruch, in dem sich China insbesondere aufgrund seiner wirtschaftlichen Entwicklung befindet, stellt das Land vor grosse Herausforderungen, denen sich auch die Kirchen stellen müssen. In Gesprächen mit Regierungs- und Kirchenvertretern hat die SEK-Delegation die bisherige Zusammenarbeit vertieft und neue Beziehungsformen geklärt. Zu diesem Zwecke konnte eine gemeinsame Zusammenarbeitsvereinbarung unterzeichnet werden.

Auf Einladung des China Christian Council CCC besuchte eine offizielle Delegation des SEK vom 18. April bis 1. Mai 2005 städtische Kirchen sowie ländliche Gemeinden Chinas und traf mit Vertretern der staatlichen Religionsbehörden und Universitäten sowie Repräsentanten der Eidgenossenschaft zusammen. Im Rahmen dieser Treffen konnten bestehende Kontakte intensiviert und Fragen der Religionsfreiheit angesprochen werden. Der CCC und der SEK unterzeichneten eine entsprechende Zusammenarbeitsvereinbarung. Dieses Dokument bestätigt den Willen beider Kooperationspartner, ihre gegenseitigen Beziehungen zu vertiefen und zu konkretisieren. «Die Leitung der protestantischen Kirchen Chinas zeigte grosses Interesse an der Zusammenarbeit mit dem SEK in den Bereichen theologische und ethische Ausbildung sowie soziale Projekte. Dem wollen wir auch als Beitrag zur weltweiten Ökumene entsprechen», meint der Delegationsleiter und Präsident des Rates SEK, Thomas Wipf.

Die Delegation des SEK stellte fest, dass die Religionsfreiheit in China in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Davon profitieren auch die Christen Chinas, insbesondere die protestantischen Kirchen. Dieses «hohe Mass an reglementierter Freiheit» setzt aber einen stetigen Dialog zwischen Kirche und Staat voraus, um den neu gewonnenen Spielraum im Sinne «einer gegenseitigen Annäherung» zu wahren oder weiter auszubauen. Dass im Bereich der Religionsfreiheit aber auch zahlreiche Probleme anstehen, wurde der Delegation an Treffen mit der nationalen Religionsbehörde verschiedentlich offen kommuniziert.

Die protestantischen Kirchen in China wachsen ausserordentlich schnell. Vorsichtige Schätzungen gehen von gut 18 Millionen Angehörigen der protestantischen Kirche und von fünf Millionen Katholiken aus. Rund zwei Prozent der chinesischen Bevölkerung bekennen sich zum christlichen Glauben. Trotz ihres Minderheitenstatus’ übernehmen sie mit ihren Wertvorstellungen eine überproportionale Rolle in der chinesischen Gesellschaft ein. Der wachsenden Zahl von Kirchgemeinden stehen in ganz China rund 50‘000 Kirchen und Hausgemeinden zur Verfügung. Gleichzeitig herrscht ein starker Mangel an ausgebildeten Pfarrern: In den 18 theologischen Seminaren und fünf Bibelinstituten des CCC sind in den vergangenen Jahren nach Angaben von Kirchenkreisen bislang erst 5‘000 Geistliche ausgebildet worden. Hier leistet mission 21, evangelisches missionswerk basel, seit gut zehn Jahren wesentliche Beiträge zur theologischen Ausbildung. mission 21 arbeitet auch mit der Amity Foundation in Nanjing. Diese Organisation wurde 1985 von Christen gegründet und hilft Menschen in Not mit einer breiten Palette von Dienstleistungen.

Das starke Wachstum der Kirche spiegelt den schnellen und tiefgreifenden Umbruch der chinesischen Gesellschaft wider. Im Gespräch mit Vertretern der Kirche und der Regierung wurden die gesellschaftlichen und politischen Probleme offen angesprochen – so z.B. die zunehmend auseinanderklaffende Schere zwischen Arm und Reich bzw. zwischen städtischen und ländlichen Gebieten, die Korruption und die Umweltbelastung vor allem der Luft, des Wassers und des Kulturlandes. Die über 800 Millionen in Armut lebenden Bauern in den westlichen und den ländlichen Regionen Chinas sowie die über 100 Millionen mittellosen Wanderarbeiter stellen das «Reich der Mitte» vor zusätzliche grosse Herausforderungen. Die rasante wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung bewirkt einen Wertewandel, der zu Verunsicherung und Konflikten führt. Die in den vergangenen Jahrzehnten in erster Linie mit der eigenen Organisation und Existenzsicherung beschäftigte Kirche in China wird heute von staatlicher Seite aufgefordert, sich vermehrt aktiv mit sozialethischen Modellen und Projekten zu beschäftigen.

Hier setzt das Projekt der Ethik-Schulung an, welches vom SEK, von Brot für alle BFA und der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA gemeinsam getragen wird. Zusammen mit der renommierten staatlichen Fudan-Universität in Shanghai und der leitenden nationalen theologischen Ausbildungsstätte der protestantischen Kirchen Chinas, dem Nanjing Union Theological Seminary, sollen entsprechende ethische Ausbildungsprogramme angeboten werden. Der SEK ist überzeugt, dass ein stetiger Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen den protestantischen Kirchen in China und der Schweiz für beide Seiten von grosser Bedeutung ist.

Für zusätzliche Informationen betreffend des China-Besuchs des SEK ist für Juli eine Ausgabe des SEK-Bulletins zum Thema geplant.

Delegation

  • Pfr. Thomas Wipf, Präsident des Rates SEK (Delegationsleiter)
  • Pfr. David Weiss, Mitglied des Rates SEK (Delegierter)
  • Dr. Peter Schmid, Mitglied des Rates SEK (Delegierter)
  • Pfr. Prof. Dr. Christoph Stückelberger, Leiter Institut für Theologie und Ethik des SEK (Delegierter)
  • Pfr. Christoph Waldmeier, Beauftragter für Aussenbeziehungen SEK (Delegierter)
  • Pfr. Walter Lüssi, Präsident mission 21, evangelisches missionswerk basel (Delegierter)
  • Madeleine Strub-Jaccoud, Direktorin mission 21, evangelisches missionswerk basel (Delegierte)
  • Corinne Henchoz Pignani, Stellvertretende Zentralsekretärin HEKS (Delegierte)
  • Lukas Zemp, mission 21, evangelisches missionswerk basel (Beobachter/Medien)

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