Die Ordination von Frauen in den Kirchen der Reformation ist nicht verhandelbar

Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) und das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen in der Schweiz (HEKS) zeigen sich enttäuscht und irritiert über einen Synodenbeschluss der Reformierten Kirche in der Ukraine, die Ordination von Frauen zum geistlichen Amt abzuschaffen. Sie gehen davon aus, dass der Entscheid nicht unwiderruflich ist und richten die dringliche Bitte an die Kirche, darauf zurückzukommen.

Mit einem äusserst knappen Abstimmungsergebnis hat die Reformierte Kirche in der Ukraine im Februar 2006 die Abschaffung der Frauenordination beschlossen. Frauen sollen weiterhin alle übrigen kirchlichen Tätigkeiten offen stehen, nicht aber das Amt als selbständige Pfarrerin. Zwar sind heute etliche Pfarrerinnen in dieser Kirche tätig, aber nur mit beschränkten Rechten. Einige von ihnen wurden in anderen Kirchen ordiniert.

Als Begründung wird von den Befürwortern der Abschaffung angegeben, dass die Arbeit im Pfarramt in dieser wirtschaftlich schwachen Region körperlich anforderungsreich sei und zudem mit enormen materiellen Schwierigkeiten verbunden. In einer weiteren Begründung bezieht sich die Reformierte Kirche in der Ukraine auf das Zweite Helvetische Bekenntnis von Heinrich Bullinger. Diese Begründung halten SEK und HEKS in ihrem Schreiben für nicht stichhaltig. Der Text aus dem Jahre 1566 behandelt nicht direkt das Seelsorgeamt als solches, sondern die häufig ohne Gemeindebezug vollzogene Taufe von Neugeborenen.

Für SEK und HEKS bedeutet der Beschluss einen klaren Rückschritt gegenüber der theologischen Erkenntnis und Praxis der evangelischen Kirchen in Europa, obwohl auch diese sich mit der Anerkennung des ordinierten Amtes für Frauen lange schwer taten. SEK und HEKS geben ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die Synode diese zentrale Frage des Kircheseins nochmals aufnehmen und auf ihren Beschluss zurückkommen wird. Es besteht die Gefahr einer Spaltung innerhalb der Kirche und einer Beeinträchtigung der Beziehungen zu den übrigen Mitgliedkirchen des Reformierten Weltbundes (RWB) und der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE). Im weiteren äussern SEK und HEKS den Wunsch, den theologischen Austausch zwischen den Kirchen zu intensivieren.

Brief SEK-HEKS an die Reformierte Kirche in der Ukraine