Karikaturen: Aufruf zu Respekt und Sensibilität

Mässigung, Respekt, Sensibilität im Umgang mit Symbolen aller Religionen und Absage an Gewalt: Dazu ruft der Rat des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) im Zusammenhang mit den Konflikten um Karikaturen zu Mohammed auf.

Die Veröffentlichung von Karikaturen zum Propheten Mohammed hat in verschiedenen islamischen Ländern zu heftigen Reaktionen, zu gewalttätigen Ausschreitungen und Angriffen gegen Institutionen europäischer Staaten geführt. Der Rat SEK ist besorgt über die Entwicklung der Ereignisse und ruft zu Mässigung und gegenseitigem Respekt auf.

Die von den Medien in Anspruch genommene Pressefreiheit gehört zu den Grundrechten im demokratischen Staat und muss geschützt werden. Ebenso schützenswert ist aber auch das Grundrecht der Religionsfreiheit, zu welcher der Schutz vor der Verletzung religiöser Gefühle gehört. Die Pressefreiheit findet ihren Ausdruck nicht darin, dass die Verletzung religiöser Gefühle in Kauf genommen oder gar provoziert wird; umgekehrt darf Religionsfreiheit nicht dazu missbraucht werden, die freie Meinungsäusserung einzuschränken oder zu Gewalt aufzurufen.

Der Rat SEK lehnt es ab, die Drohungen extremistischer Gruppierungen in islamischen Ländern für fremdenfeindliche und rassistische Parolen bei uns zu missbrauchen. Er ist dankbar für die besonnene Haltung der Muslime in der Schweiz.

Die aktuelle Auseinandersetzung zeigt den Bedarf an Verständigung zwischen Kulturen und zwischen Religionen. Der Pluralismus erfordert eine erhöhte Sensibilität und neue Instrumente für das Zusammenleben in Frieden. Der Rat SEK ruft die Medien- und Kulturschaffenden zu Respekt und Sensibilität im Umgang mit Symbolen aller Religionen auf. Das gilt auch für die muslimischen Medien gegenüber Christen und Juden.

Im Sinne der Interreligiösen Erklärung* der Glaubensgemeinschaften in der Schweiz von 2003 lädt der Rat SEK die Mitglieder der Glaubensgemeinschaften ein, «im Alltag, in der Schule, am Arbeitsplatz und am Wohnort aufeinander zuzugehen, Möglichkeiten der Begegnung zu schaffen und die gegenseitige Gastfreundschaft zu pflegen». Mit der Unterzeichnung der Charta Oecumenica** 2005 haben sich die christlichen Kirchen verpflichtet «den Muslimen mit Wertschätzung zu begegnen und bei gemeinsamen Anliegen mit Muslimen zusammenzuarbeiten». Der SEK erwartet andererseits von muslimischer Seite ebenso die Bereitschaft zum Gespräch über das Verständnis von Medien- und Religionsfreiheit und zur Absage an Gewalt.

*Die interreligiöse Erklärung „Das Band des Friedens stärken – in der Schweiz und weltweit“ wurde 2003 als Selbstverpflichtung von den drei Landeskirchen sowie dem Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund und der Koordination Islamischer Organisationen Schweiz unterzeichnet.

** Die „Charta Oecumenica. Leitlinien für die wachsende Zusammenarbeit unter den Kirchen in Europa“ wurde von der Konferenz Europäischer Kirchen und dem Rat der Europäischen Bischofskonferenzen, damit also von fast allen Kirchen Europas, verabschiedet und auch von den Kirchen der Schweiz 2005 unterzeichnet.

Verfasser: 
SEK - Rat