Ökumenischer Rat der Kirchen gestärkt

Ein Sommer der Ökumene. Ein Weltkirchentag. Eine Stärkung des Ökumenischen Rates der Kirchen ÖRK. Eine aktive Mitwirkung des Kirchenbundes. So lautet die Bilanz der Delegation des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes zur heute zu Ende gehenden Neunten Vollversammlung des ÖRK in Porto Alegre/Brasilien.

Der ÖRK mit 347 Mitgliedkirchen aus 120 Ländern repräsentiert über 560 Millionen Christinnen und Christen und ist damit der weltweit grösste Zusammenschluss von Kirchen. Die alle sieben Jahre stattfindende Vollversammlung fand vom 14.-23. Februar in Porto Alegre/Brasilien mit rund 4000 Teilnehmenden statt, darunter rund 750 Delegierten und rund 60 Besuchern aus der Schweiz. Während viele in Europa einen «Winter der Ökumene» besonders mit der römisch-katholischen Kirche erleben, war laut SEK-Delegationsleiter Thomas Wipf an der Vollversammlung ein «Sommer der Ökumene» spürbar: ein Aufbruch zum Dialog, eine Bereitschaft, aufeinander zuzugehen – besonders im Verhältnis zu den orthodoxen Kirchen und neu zu den Pfingstkirchen – und die Bereitschaft, Not zu teilen und im Widerstand solidarisch zu sein. Der Wille zur Ökumene unter Führung des ÖRK wurde gestärkt. Dabei müssen theologische Differenzen noch vermehrt ausgetragen und erreichte Übereinstimmungen umgesetzt werden.

Als «Weltkirchentag» spiegelte die Vollversammlung die Einheit in Vielfalt mit ihrer Farbigkeit, ihrem grossen Reichtum an religiösen Traditionen und Kulturen und der erlebbaren «Ökumene des Herzens» mit einer gemeinsamen Glaubensgrundlage. Der hohe Anteil von Frauen – rund die Hälfte der Teilnehmerinnen und 42 Prozent im neuen Zentralausschuss, dem ÖRK-Parlament – prägten die Versammlung. Trotz der aktiven Beteiligung vieler junger Erwachsener blieb ihr Anteil im Zentralausschuss 15 Prozent.

Für die erwartete Auseinandersetzung über das Dokument «Alternative Globalisierung im Dienst von Menschen und Erde» wurde kaum Raum gegeben, was viele enttäuschte. Als künftige Arbeitsmethode wurde ein Gleichgewicht von Dialog und parteinehmender Fürsprache beschlossen. Vier Themenschwerpunkte für die folgenden sieben Jahre wurden beschlossen: Die Bemühung um Einheit (einschliesslich Spiritualität, Mission und Interreligiösen Dialog) soll gestärkt werden. die ökumenische Ausbildung kirchlicher Leitungskräfte soll intensiviert werden. Der Einsatz für Gerechtigkeit in einer globalisierten Welt soll praxisbezogener und dialogischer gestaltet und ausgeweitet werden. Die gemeinsame ethische und prophetische Stimme der Kirchen soll insbesondere in der Dekade zur Überwindung der Gewalt fortgesetzt werden. Zahlreiche weitere Anliegen wie Stärkung der UNO, der Kampf gegen Aids und die nukleare Abrüstung sind darin enthalten.

Die SEK-Delegation konnte ihre Ziele weitgehend erreichen. So fand die von den Kirchen der Schweiz und Brasiliens erarbeitete ökumenische Erklärung zu Wasser als Menschenrecht internationale Unterstützung und die geforderte stärkere Ausrichtung des ÖRK auf Fragen der Einheit der Kirchen wurde aufgenommen.