Diakonie heisst nicht «falsche Frömmigkeit»

Die Diakoniekonferenz des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) diskutierte am 13. November in Bern das Thema «Freundschaft». Insbesondere mit Blick auf die sozial-diakonischen Mitarbeitenden in den Kirchen wurde der Frage nachgegangen, wieweit Freundschaft in der Institution Kirche Gemeinschaften zusammenfügen kann.

Freundschaft kann man nicht anordnen. Die Kirchen können und sollen aber Bedingungen schaffen, sie zu fördern. Rund dreissig Diakonieverantwortliche der Mitgliedkirchen des SEK trafen sich zu der diesjährigen Diakoniekonferenz in Bern, um sich über Freundschaft, den «Sauerteig der Diakonie», auszutauschen.

Einzelfallhilfe sei nach wie vor eine der wichtigsten Gestaltformen diakonischer Tätigkeit, betonte Christoph Sigrist, Lehrbeauftragter für Diakonie an der Universität Bern. Freundschaft pflege die Achtsamkeit gegenüber der Würde des anderen. Kirchen hätten deswegen die Aufgabe, öffentliche Begegnungsräume zu sein. Gelinge dies nicht, würden die Kirchen «für die Gesellschaft harmlos und überflüssig.» Gleichgültigkeit sei der Tod jedweder Freundschaft, auch der Kirchen.

Ralph Kunz, Professor für Praktische Theologie an der Universität Zürich, verwies in seinem Referat auf die Freundschaft als «eine Initialzündung der diakonischen Beziehung». Darum gleiche sie einem Sauerteig. Diese Beziehungsform sei von grossem Wert. Viele Menschen, mit denen Diakone und Seelsorger zu tun haben, hätten «das Vertrauen in die Menschen verloren». Entscheidend sei, stets für die Menschenfreundlichkeit zu votieren. So müsse man sich immer dann gegen «falsche Frömmigkeit» wehren, wenn religiöse Korrektheit gegen diakonisches Miteinander ausgespielt werde.

Im geschäftlichen Teil der Diakoniekonferenz wurde unter anderem der Rat SEK gebeten, zur Volksinitiative «Für den Schutz vor Waffengewalt» Stellung zu nehmen. Die Initiative fordert eine Neuregelung der Aufbewahrung der Ordonnanzwaffen und Munition.

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