Dialog mit den Muslimen: Transparenz und Offenheit unverzichtbar

Vom 17.-19. Juni tagt die Abgeordnetenversammlung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK in Basel. Im seinem einleitenden Wort stellte Ratspräsident Thomas Wipf kritische Anfragen an den Dialog mit den muslimischen Partnern.

Auf Einladung der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt tagen seit heute die 70 Abgeordneten der Mitgliedkirchen des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK in Basel. Das Parlament des SEK beschäftigt sich bis Dienstag unter anderem mit der Verfassungsrevision des SEK sowie mit der Vision « Zukunft Kirche ». Morgen wird zudem Nationalratspräsidentin Egerszegi-Obrist die Abgeordnetenversammlung besuchen.

Nach der Eröffnung steht traditionellerweise das Wort des Ratspräsidenten am Beginn einer Abgeordnetenversammlung. Ratspräsident Thomas Wipf stellte heute grundsätzliche Anfragen zu den religionspolitischen Herausforderungen in der Schweiz, insbesondere an den Dialog mit den muslimischen Partnern. „Für unser Land bedeutet der Beitrag von Menschen muslimischer Herkunft eine wichtige Bereicherung“, so Wipf. Nach einer gewissen Zeit der multikulturellen Romantik stellten sich nun aber auch manche grundsätzliche Fragen. Dabei gehe es darum, festzustellen, „welches die Grundwerte und Grundhaltungen sind, die wir nicht aufgeben können und wollen.“

Die Religionsfreiheit sei ein zentraler Wert für die christlichen Kirchen und die Schweiz, so Wipf. In dem Zusammenhang hätten viele Menschen ein Verständnis dafür, dass die islamischen Kultur- und Moscheevereine „aus der Unsichtbarkeit der Garagen, Hinterhöfe und Fabrikhallen in die Sichtbarkeit der Öffentlichkeit treten möchten.“

Es gebe jedoch auch sensible Punkte, die einen vertieften Dialog mit den muslimischen Partnern fordere, sagte Wipf. Eine wichtige Frage sei die Unterscheidung von Politik und Religion. „Nach unserer Auffassung hat der Staat keine Religion. Er soll nicht Hüter der Wahrheit, sondern Hüter der Freiheit sein.“ Die religiöse Neutralität des Staates, das Primat des säkularen Rechts und auch die Gleichberechtigung von Mann und Frau seien nicht verhandelbar.

Zudem müsse für alle Menschen das Recht auf freie Religionswahl gelten. „Mit grosser Sorge“ erfülle es Wipf, dass Christen in vielen islamischen Ländern nur in eingeschränkter Form ihren Glauben leben können. Die Religionsfreiheit beanspruche als Menschenrecht universale Geltung. Dies gelte für Muslime in der Schweiz genauso wie für Christen in islamischen Ländern.

Der Dialog zwischen den Religionsgemeinschaften in der Schweiz funktioniere auf vielen Ebenen, so resümierte Wipf. Auch die nationale Dialogplattform des Schweizerischen Rates der Religionen, dessen Vorsitzender Wipf ist, könne nach einem Jahr „vorsichtig positiv“ beurteilt werden. Jedoch sei nicht klar, ob interreligiöse Gesprächsforen für die muslimischen Gesprächspartner auch dann eine Bedeutung hätten, wenn sie nicht nur den eigenen Anliegen nützten. So habe der Rat der Religionen erst aus der Sonntagspresse von den Plänen für ein grosses islamisches Zentrum in Bern erfahren.

Zum Schluss rief Wipf zum transparenten Dialog und zur gemeinsamen Arbeit an einer friedlichen Zukunft auf. Wie die christlichen Kirchen weiterhin bereit sind, die Anliegen der muslimischen Gesprächspartner aufzunehmen, erwarten sie auch die umgekehrte Bereitschaft. „Jedoch: Das Gemeinsame ist stärker als das Trennende. Das Gemeinsame hält auch kritische Fragen aus.“

Wort des Ratspräsidenten herunterladen

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