Ökumene durch Exklusivanspruch in Frage gestellt

Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) nimmt die heute veröffentlichte Stellungnahme des Vatikans zum Exklusivanspruch der römisch-katholischen Kirche zur Kenntnis. Er sieht wesentliche Errungenschaften der Ökumene in Frage gestellt.

Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) nimmt zur Kenntnis, dass der Vatikan erneut den Versuch unternimmt, den Kirchen der Reformation ihr Kirchesein abzusprechen. In einem heute durch die Kongregation für die Glaubenslehre veröffentlichten Schreiben wird die römisch-katholische als die eine, einzig wahre Kirche bezeichnet. Dies geschieht im Rahmen einiger Klärungen, die durch «irrige Interpretationen» von Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils nötig geworden seien.

Mit Sorge stellt der SEK fest, dass sich die römisch-katholische Kirche durch den Rückzug auf sich selber aus der weltweiten Gemeinschaft der Kirchen ausschliesst. Sie versteht sich selbst exklusiv als in historischer Kontinuität mit der von Christus eingesetzten Kirche und stellt damit wesentliche Errungenschaften des ökumenischen Dialogs in Frage.

Nach evangelischem Verständnis ist Kirche überall dort, wo im Sinne des Evangeliums gepredigt, Abendmahl und Taufe gefeiert und die Kirche ihre Verantwortung für die Welt wahrnimmt. Grundlegend ist, dass die Kirche nicht selber die Wahrheit ist, sondern auf die Wahrheit in Christus hinweist. Die Kirchen der Reformation können sich darum in vollem Sinne als Kirchen verstehen und gleichzeitig die römisch-katholische Kirche als Schwesterkirche erkennen.

Die reformierten Kirchen in der Schweiz sind fest entschlossen, weiterhin mit den römisch-katholischen Mitchristinnen und Mitchristen – verbunden durch die gemeinsame Taufe und den gemeinsamen Glauben – als Kirche Jesu Christi unterwegs zu sein. Unser gemeinsamer Auftrag ist der Gottesdienst, das Bezeugen des Evangeliums in unserer Gesellschaft und der Dienst am Menschen.

Stellungnahme des SEK zum Thema