Prävention steht im Vordergrund

Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) veröffentlicht seine Stellungnahme zum Bericht „Jugendgewalt. Ausmass, Ursachen und Massnahmen“ des Bundesamtes für Justiz.

Das Thema der Jugendgewalt stösst auf eine grosse Sensibilität in der Schweiz. Für den SEK ist deshalb eine faire und ausgewogene Herangehensweise wesentlich. Die im Bericht des EJPD aufgeführten Massnahmen legen jedoch die Schlussfolgerung nahe, Jugendgewalt sei vor allem ein Ausländerproblem und habe massiv zugenommen. Dies ist irreführend und widerspricht dem Datenmaterial. Die Tendenz einer politischen Instrumentalisierung des Ausmasses von Jugendgewalt betrachtet der SEK mit Sorge.

Viele Faktoren sind für eine erhöhte Gewaltbereitschaft verantwortlich, und Gewalt ist wiederum nur ein Aspekt eines Problemverhaltens. Dies gilt auch bei schweizerischen Jugendlichen. Der SEK weist darauf hin, dass das Jugendstrafrecht die Prävention richtigerweise vor die Strafe stellt. Die Prävention sollte dabei auf solche Risikofaktoren ausgerichtet werden, die bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund vermehrt auftreten können. Gewalt ist z.B. auch eine Folge von sozialem Ausschluss und Chancenungleichheit. Der SEK tritt ausserdem dafür ein, dass Delikte von ausländischen Jugendlichen mit jugendstrafrechtlichen, nicht mit ausländerrechtlichen Massnahmen geahndet werden. Das Jugendstrafrecht gilt für schweizerische wie auch für ausländische Jugendliche.

Der SEK begrüsst die Grundidee, durch ein koordiniertes behördliches Vorgehen ein möglichst kohärentes staatliches Handeln zu erwirken. Hierbei müssen jedoch neben den Massnahmen im Bereich des Strafvollzuges vor allem die präventiven Massnahmen zwischen den Kantonen kohärenter werden. Zudem erwartet der SEK, dass auch die nichtstaatlichen Akteure aus dem Integrations- und Bildungsbereich stärker in die Entwicklung und Umsetzung von Lösungsstrategien einbezogen werden.

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