« Religionsfreiheit ist die Visitenkarte eines demokratischen Staates »

Nationalratspräsidentin Christine Egerszegi-Obrist spricht auf der Abgeordnetenversammlung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK).

Als « erste Bürgerin des Landes » sprach heute die Präsidentin des Nationalrates Christine Egerszegi-Obrist zu der Abgeordnetenversammlung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) in Basel. Mit ihrem Beitrag zum Thema « Religiöse Freiheit » griff sie dabei Aspekte auf, die an mehreren Stellen Thema der noch bis morgen tagenden Abgeordnetenversammlung sind.

Wie schon tags zuvor SEK-Ratspräsident Thomas Wipf, betonte Egerszegi-Obrist die unbedingte Geltung der Religionsfreiheit. Schon in der Schweizer Verfassung von 1874 werde diese als unverletzliches Gut angesehen. Mit ihr gehe das Recht einher, seine Religion zu wechseln. Die Konversionsfreiheit stosse jedoch oft « an die Schranken kultureller oder familiärer Traditionen ». Damit habe man sich künftig auseinanderzusetzen.

« Religionsfreiheit ist die Visitenkarte eines demokratischen Staates », so Egerszegi-Obrist. Der Staat müsse Stütze der individuellen Freiheiten sein. Dabei stellten religiöse Symbole wie Kopftücher noch eine Herausforderung für eine Gesellschaft dar, die es gewohnt sei, « auf der Strasse dem Kragen eines schwarzgekleideten Geistlichen » zu begegnen. All diese Symbole müssten jedoch freiwillig getragen – und abgelegt – werden können.

Egerszegi-Obrist mass in diesem Zusammenhang dem Schweizerischen Rat der Religionen (SCR) grosse Bedeutung zu. Die Gründung des Rates auf Initiative Wipfs hätte der gesellschaftlichen Entwicklung Rechnung getragen. Sie wünsche sich, dass der Rat als Ansprechpartner des Bundes in Religionsfragen « den Religionsfrieden festigen » werde, betonte Egerszegi-Obrist.

Dabei biete die politische Struktur der Schweiz vielfältige Instrumente der demokratischen Mitwirkungsrechte des Einzelnen und der Gemeinschaft. « Aber es gibt keine Rechte ohne Pflichten », so Egerszegi-Obrist. Unbedingte Voraussetzung seien gegenseitiger Respekt und Achtung auf Basis der demokratischen und sozialen Grundwerte. Die reformierte Kirche biete den Menschen in diesem Zusammenhang einen Weg und Werte. « Deshalb hat es die reformierte Kirche verdient, auch in Zukunft eine wichtige Funktion in der Gesellschaft einzunehmen. »

Die Abgeordnetenversammlung AV ist das Parlament (Legislative) des SEK. Sie tritt zwei Mal pro Jahr zusammen, im Juni als Gast einer Mitgliedkirche, im November in Bern. Die Mitgliedkirchen sind mit 70 Abgeordneten vertreten, die Diakonie- und die Frauenkonferenz stellen je zwei Delegierte mit Rede- und Antragsrecht. Die Sommer-Abgeordnetenversammlung in Basel tagt noch bis zum morgigen Dienstag.

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