Singles bauen Kirche

„Singles und Kirche“ lautete das Thema der Diakoniekonferenz des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), die am 23. Mai in Bern tagte. Neben dem traditionellen Familienbild sollte der Beitrag der „Lebensform Single“ zur Kirche stärker wahrgenommen werden, war die Botschaft der Teilnehmenden.

„Alleinsein bedeutet nicht automatisch Alleingelassensein.“ So eröffnete der Soziologe Dr. Eric Widmer (Lausanne) die Frühjahrssitzung der Diakoniekonferenz des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) am Dienstag in Bern. Die Konsequenz dieser Feststellung wurde durch die über 30 Teilnehmenden der Konferenz in zwei Richtungen diskutiert. Einerseits ging es um das Selbst- und Fremdverständnis der Alleinlebenden, andererseits um ihre Beziehung zu Religion und Kirche.

Für Widmer sind Singles Menschen, die als Unverheiratete, Geschiedene oder Witwen und Witwer alleine leben. Derzeit zählen circa 30 % der erwachsenen Schweizerinnen und Schweizer zu den Singles. Gemeinsam sei den verschiedenen Gruppen der Alleinlebenden, dass sie ein differenzierteres und weiteres Beziehungsnetz als Nichtsingles leben. Unterschiede zeigten sich in den Perspektiven. Während die Unverheirateten gesamtgesellschaftlich gesehen am optimistischsten in die Zukunft blickten, seien die Witwen und Witwer zwar zufrieden mit ihrer Situation, erwarteten aber von der Zukunft nur mehr wenig Verbesserung.

Die Teilnehmenden formulierten ihrerseits Thesen, die über die Konferenz hinaus direkt die Arbeit der verschiedenen diakonischen Einrichtungen und Kirchengemeinden bereichern sollen. Spezielle Angebote für Singles brauche es in den reformierten Kirchen der Schweiz nicht. Vielmehr geht es darum, die bestehenden Lebensrealitäten bewusst wahrzunehmen und entsprechend „gemeinsam Kirche zu bauen“. Wichtig sei dabei, dass sich sowohl die Singles als auch die Kirche aufeinander zu bewegen.

Im geschäftlichen Teil wurde Christoph Härter (Diakonieverband Schweiz) aus dem Konferenzausschuss verabschiedet. Härter gehörte dem Ausschuss seit 1999 an. Als neue Mitglieder wurden Hélène Küng, Direktorin des Centre Social Protestant (CSP) Vaud sowie Roland Luzi, Co-Geschäftsführer des Diakonieverbandes Schweiz, gewählt.

Die Diakoniekonferenz ist eine Konferenz des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK. Die Konferenz versteht sich als eine Plattform der Zusammenarbeit zwischen dem SEK, dessen Mitgliedkirchen, den diakonischen Werken, Vereinen und Institutionen, die Diakonie praktizieren und der Diakonie nahe stehende Fragestellungen behandeln, sowie anderen sozial und politisch tätigen zivilgesellschaftlichen Organisationen.

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