Steckt in jeder Frau eine „pussycat doll“?

Die Frauenkonferenz des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) beschäftigte sich mit Rollenbildern und Sexismus unter Jugendlichen als Herausforderung für die Kirchen.

42 Vertreterinnen der reformierten Kantonalkirchen der Schweiz versammelten sich am 29. Oktober unter dem Thema „Inside every woman is a Pussycat Doll: Rollenbilder und Sexismus unter Jugendlichen als Herausforderung für die Kirchen“ zur 14. Frauenkonferenz des SEK in Bern.

Im Alter zwischen 12 und 16 Jahren sind Jugendliche intensiv auf der Suche nach ihrer Identität, ihrem Frau- und Mannsein. Oft sind es stereotype bis sexistische Bilder, die eine besondere Faszination auf sie ausüben. Was können und sollen die Kirchen tun, um die Jugendlichen in ihrem Suchprozess zu begleiten und sie im Hinblick auf Entwicklungsmöglichkeiten und gerechte Geschlechterbeziehungen zu unterstützen?

Positive Identitäten lassen sich gezielt fördern, betonte Eveline Iannelli, Dozentin an der Pädagogischen Hochschule in ihrem Referat. Mädchen und Jungen brauchten deshalb spezifische Unterstützung in ihrer Entwicklung. So sei es wichtig, dass Väter ihre Töchter darin bestärken, „konstruktiv widerständig“ zu sein. Jungen hingegen bräuchten positives Feedback darin, sich in der „öffentlichen Darstellung zurückzuhalten“ und darin, Schwächen und Verletzlichkeiten bei sich und anderen zu akzeptieren.

Ron Halbright, Leiter von Gewaltpräventionsprogrammen in Zürcher Schulen, betonte die Schwierigkeit, die „Bubenprobleme von Problembuben“ in ihrer Komplexität zu begreifen. Rollenerwartungen und Familienstrukturen seien stark kulturell geprägt, dürften jedoch hinterfragt werden. Dies gestalte sich besonders bei jungen Männern mit Migrationshintergrund schwierig. „Migrantenbuben sind nicht als Kulturträger ihrer Herkunftsfamilien geboren worden“, so Halbright.

Ein zentrales Ziel sei es, den Jugendlichen Vorbilder zu geben, die nicht einem Stereotyp entsprechen, sondern vielfältige Persönlichkeiten sind, meinte Myriam Heidelberger Kaufmann, Zentralsekretärin Cevi Schweiz. Dabei sei auch die Rolle der Medien in der Vermittlung von Vorbildern kritisch zu hinterfragen. Schliesslich, so Heidelberger Kauffman, sei es wichtig, gerade als kirchliche Organisation auch schwierige Themen wie das der eigenen Sexualität anzusprechen. „Wir machen das, weil es uns wichtig ist, dass gerade die so genannten Tabu-Themen diesen Geheimstatus verlieren.“

Renate Begré, Verantwortliche für Beratung und Weiterbildung im Bereich Katechetik/Religionspädagogik der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn, betonte, dass die Genderaspekte in jedem Unterrichtsprozess mitlaufen – ob gewollt oder nicht. Genderaspekte sind demnach auf allen Ebenen wahrzunehmen und im Unterrichtsprozess sinnvoll einzubeziehen.

Die Teilnehmerinnen setzten ihre Arbeit mit verschiedenen Workshops zum Thema fort, die neben konkreten Projektvorstellungen auch Handlungsfelder wie die Unterstützung von Behörden und Lehrpersonen in Genderfragen thematisierten.

Mehr zur Frauenkonferenz