"Ein Europa, das auch für Fremde zur Heimat wird"

Rund 120 Teilnehmende diskutierten am 29. Oktober in Basel auf der Tagung "Heimat in der Fremde" die Bedeutung der Migrationskirchen als Orte der Integration. Die Tagung wurde organisiert vom Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund, mission 21 und den Reformierten Kirchen beider Basel.

Wenn Menschen wandern, dann nehmen sie ihren Glauben mit. Im neuen Land gründen sie neue Glaubensgemeinschaften: die Migrationskirchen. Die Zahl dieser Kirchen wächst: In der Schweiz alleine existieren einige hundert. Die Entwicklung wird jedoch von den politischen Institutionen in Europa weitgehend ignoriert, meinte Amélé Ekué, Dozentin am ökumenischen Institut Bossey. Zudem sei innerhalb der Migrationskirchen ein Wandel von einer ethnischen Homogenität hin zu einer Internationalisierung zu betrachten (international churches), so Ekué in ihrem Vortrag zu Beginn der Tagung „Heimat in der Fremde“ vom 29. Oktober in Basel.

„Die Frage nach der richtigen Bezeichnung für ‚Migrationskirchen‘ ist schon Teil des Dilemmas“, so Christine Lienemann von der Universität Basel. Der Begriff des „Migranten“ werde teilweise als politisches Feindbild geprägt. Deswegen, so betonte die Professorin für Ökumene und Missionswissenschaft, blieben die Mitglieder dieser Kirchen oftmals im Verborgenen oder sie suchten in übereilter Weise die Lösung „in Assimilation statt in Integration“.

Die Gründung von Migrationskirchen ist nach Ekué darin begründet, dass Migranten „in den einheimischen Kirchen keine spirituelle und kulturelle Heimat“ fänden. Zudem verstärke eine rassistisch motivierte Ausgrenzung durch die einheimische Bevölkerung die Fremdheitserfahrung. Aus Selbstschutz fände schlussendlich ein Rückzug auf bekannte Strukturen in den Migrationskirchen statt. Gleichzeitig signalisieren die Migrationskirchen laut Ekué jedoch auch eine Öffnung. Sie thematisierten auch für die einheimischen Kirchen relevante Aspekte wie Ausgrenzung und Gewalt.

In dieser Situation machen viele Migranten die Erfahrung, dass man von ihnen erwartet, „nach Hause“ zu gehen, erläuterte Lienemann. Auch dann, wenn sie nicht die Absicht haben, ins Ursprungsland zurückzukehren, wenn sie ihre Heimat in der Fremde gesucht und gefunden hätten. Sie würden zu diasporized people, zu Menschen, deren Präsenz im Aufnahmeland angefochten bleibt. Die Kirchen, so schloss Lienemann, könnten helfen, dieser Anfechtung entgegenzutreten: „Das Motto unserer Tagung könnte lauten: Das Europa verwirklichen, das auch für Fremde zur Heimat wird.“

Joëlle Moret, Ethnologin am Swiss Forum for Migration and Population Studies (SFM) referierte über die Bedeutung von Migrantennetzwerken. Migrationskirchen seien wichtige Migrantennetzwerke und hätten ein grosses Potential, die Integration ihrer Mitglieder in der Schweiz zu fördern.

Verfasser: 
SEK/mission21