Frauen haben Depressionen, Männer haben Burnout

Die gemeinsame Frauen- und Diakoniekonferenz des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes disktutierte am 11. November in Bern geschlechtsspezifische Verhaltensweien im Umgang mit Gesundheit.

“Frauen haben Depressionen, Männer haben Burnout.“ Rund 120 Delegierte der gemeinsamen Frauen- und Diakoniekonferenz des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) beschäftigten sich am 11. November mit dem Thema „Gesundheit, Arbeit, Geschlecht – Menschenbilder aus evangelischer Sicht“.

Ursula Stüdi, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bundesamt für Gesundheit, begann ihr Referat mit einigen Feststellungen: Die Todesursache „Herz & Kreislauf“ trifft Männer etwa 1.6 mal mehr als Frauen. Bei fast doppelt so vielen Frauen wird eine Depression diagnostiziert, bei fast doppelt so vielen Männern ein Alkoholmissbrauch.

Diese Beobachtungen entsprächen den geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen im Umgang mit Gesundheit, so Stüdi. Während es typisch weiblich sei, „sich um die Gesundheit zu kümmern“, sei es typisch männlich, Warnsignale und Schmerzen zu verleugnen. Frauen nähmen doppelt so häufig medizinische Hilfe in Anspruch als Männer.

Hinzu komme, dass bei Frauen öfters psychische Diagnosen gestellt würden, während bei Männern die rein körperlichen Diagnosen überwiegen. 90% der Suizide sind jedoch unmittelbare Folge einer psychischen Erkrankung. Da die Suizidrate bei Männern gegenüber Frauen mehr als doppelt so hoch sei, müsse davon ausgegangen werden, dass „Depressionen bei Männern häufig unerkannt und unbehandelt bleiben“, resümierte Stüdi.

Dr. Ina Praetorius, Germanistin und evangelische Theologin, unterstützte die Differenzen. Frauen schämten sich Ihrer Schwäche weniger; dies gehöre zu ihrer emotionalen Natur. Männer definierten sich über ihre Leistungsfähigkeit, deswegen sei als Krankheitsbild „ein Name schmeichelhafter, der ihnen bescheinigt, dass sie zu viel gearbeitet haben“. Praetorius plädierte für eine Auflösung gedanklicher Stereotype. Dazu zähle auch „die Gesundheit“ im Gegensatz zu „verschiedenen Krankheiten“. Vielmehr müsse auch von „verschiedenen Gesundheiten“ gesprochen werden. Praetorius: „Gesundheiten sind wie Krankheiten individuelle, täglich variierende Mischungszustände.“

Im geschäftlichen Teil der Konferenz wurde der Präsident der Diakoniekonferenz, Christoph Sigrist, verabschiedet. Gleichzeitig wählten die Delegierten der Diakoniekonferenz Konrad Meyer (Basel) als Nachfolger ab 2009. In den Ausschuss der Diakoniekonferenz wurde ausserdem Olivier Favrod (Waadtland) gewählt.

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