Minarettinitiative: Gegen die Verhärtung der Fronten wirken

Die Initiative „Gegen den Bau von Minaretten“ erregt im Ausland Aufsehen, wie die diplomatische Demarche der Islamischen Konferenz an die Schweizer Botschaft in Riad (Saudi-Arabien) zeigt. Dadurch entsteht auch innenpolitisch eine ernst zu nehmende Situation. Der Schweizerische Rat der Religionen (SCR) möchte einer Verhärtung der Fronten entgegenwirken.

Die politischen und religiösen Herausforderungen der Volksinitiative „Gegen den Bau von Minaretten“ standen im Mittelpunkt der letzten Sitzung des Schweizerischen Rates der Religionen. Mit Besorgnis nahm der SCR die Meldung zur Kenntnis, dass sich die Islamische Konferenz (OIC) an den Schweizer Botschafter in Saudi-Arabien gewandt hat. Die OIC fordert darin Klarheit über die möglichen Konsequenzen der Volksinitiative.

Der Schweizerische Rat der Religionen wiederholt seine Auffassung, dass in unserem Rechtsstaat die durch die Verfassung geschützten Freiheitsrechte auch durch eine Volksinitiative nicht ausser Kraft gesetzt werden dürfen. Der SCR hält die schweizerischen Volksrechte aber für ein ebenso hohes Gut, das es im Rahmen der Rechtsstaatlichkeit zu schützen gilt. Deshalb ist es wichtig, gegenüber ausländischen Staaten die demokratischen Regeln der Schweiz sorgfältig zu erläutern. Im Hinblick auf die zu erwartende ernsthafte politische Auseinandersetzung will der Rat der Religionen mögliche Massnahmen diskutieren, um einer Verhärtung der Fronten entgegenzuwirken.

Im Oktober 2007 haben sich 138 muslimische Führer mit dem Offenen Brief „Ein Gemeinsames Wort zwischen Uns und Euch“ weltweit an die christlichen Kirchen gewandt. Der SCR hat den Brief als ein wichtiges Signal des Wunsches nach konstruktiver Zusammenarbeit dankbar zur Kenntnis genommen. Er vermisst unter den Adressaten des Offenen Briefes allerdings Vertreter der jüdischen Gemeinschaft. Das Doppelgebot der Liebe, an das die muslimischen Führer erinnern, hat im Koran, in der Bibel wie auch in der jüdischen Tora einen hohen Stellenwert. Der Rat der Religionen wird sich noch eingehend mit dem Inhalt des Offenen Briefes auseinandersetzen.

Der Schweizerische Rat der Religionen SCR wurde am 15. Mai 2006 gegründet und setzt sich aus leitenden Persönlichkeiten der Schweizer Bischofskonferenz, des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, der Christkatholischen Kirche der Schweiz, des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes und Islamischer Organisationen der Schweiz zusammen. Er will einen Beitrag zur Vertrauensbildung unter den Religionsgemeinschaften und zur Förderung des religiösen Friedens leisten. Zurzeit steht der Rat der Religionen unter dem Vorsitz von Pfarrer Thomas Wipf, Präsident des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK.

» Informationstext zum Minarett des Zürcher Lehrhauses

» Mehr Informationen zum Rat der Religionen

Verfasser: 
SCR