Professionelles Marketing für den Umweltschutz

Gestern veranstalteten der Schweizerische Evangelische Kirchenbund, die Reformierten Kirche Basel-Stadt sowie das Forum für Zeitfragen in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Nordwestschweiz eine Tagung zur Energiezukunft. Ziel der Tagung war, Ethik und Technik miteinander ins Gespräch zu bringen.

Als personifizierte Schnittstelle zwischen Ethik und Technik bezeichnete sich in seiner Eröffnungsrede Altregierungsrat Peter Schmid. Schmid ist sowohl Präsident des Hochschulrates der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) als auch Mitglied des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK). Die Praxis sei wichtig, so Schmid, unabdingbar sei aber auch die kritische Reflexion des Handelns.

Hauptredner der Tagung war Professor Eberhard Jochem, unter anderem Mitbegründer des Center for Energy Policy and Economics (CEPE) der ETH. Wandel zu einem nachhaltigeren Energiesystem sei vor allem durch gesteigerte Energieeffizienz bei der Industrieproduktion, in den Produkten und im Häuserbau zu erreichen. Jochem betonte, dass diese Umrüstungskosten geringer sind als die Adaptionskosten und die Kosten der Schadensbehebung, die später aufgrund der Folgen des Klimawandels und des Versiegens der Ölquellen anfallen werden. Beispielsweise müssten in Deutschland für eine halbe Milliarde Euro 28‘000 Strommasten nachgerüstet werden, damit sie den vermehrten Stürmen und Vereisungen standhalten.

Es werde allerdings zu wenig unternommen, denn Entscheidungsträger und Steuerzahler seien unzureichend informiert über die auf uns zukommenden Kosten. Auch die Investoren und Planer wüssten zu wenig über energietechnische Fragen. Statt die Chancen des Wandels, wie das grosse Innovationspotential und neu entstehende Arbeitsplätze zu sehen, dominierten Ängste und man schrecke vor den hohen Investitionskosten zurück. Es brauche deshalb ein professionelles Marketing für den Umweltschutz.

Otto Schäfer, Beauftragter für Ethik im Institut für Theologie und Ethik des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), stellte die SEK-Studie zum Thema Energieethik vor. Die Studie kommt anhand von elf ethischen Maximen für ein nachhaltiges, gerechtes und demokratisches Energiesystem zum Schluss, dass nur das Ziel der 2000-Watt-Gesellschaft alle ethischen Anforderungen erfüllt.

Abschliessend stellten Forschende der Fachhochschule Nordwestschweiz einige innovative Projekte zur Energieeffizienz vor.

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Die Studie «Energieethik – Unterwegs in ein neues Energiezeitalter. Nachhaltige Perspektiven nach dem Ende des Erdöls» kann von der Homepage des SEK heruntergeladen oder dort bestellt werden (www.sek.ch/de/_catalog).