Religion gehört zum schulischen Bildungsauftrag

Der Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) und der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), Pfarrer Thomas Wipf, unterstützt im Europarat das aktive Einbeziehen der Religion in öffentlichen Schulen.

(Gemeinsames Communiqué mit der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa GEKE)

Religion gehört zum Bildungsauftrag öffentlicher Schulen. Diese Erkenntnis des Europarates unterstützte der Präsident der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) und des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), Pfarrer Thomas Wipf, gestern in Strassburg. Der Europarat hatte rund 80 Experten aus Politik, Religion und Zivilgesellschaft zur Diskussion über die religiöse Dimension des interkulturellen Dialoges eingeladen. Wipf zeigte sich nach der Diskussion positiv überrascht. Der Europarat messe der Religion eine wichtige Aufgabe zu, so Wipf.

Europa schöpfe aus seinen jüdisch-christlichen Wurzeln genauso wie aus dem Erbe der Aufklärung. Die Schule als Spiegel der sie umgebenden Gesellschaft müsse also alle Realitäten wiedergeben. „Religion und Glaube gehören konstitutiv zum Menschen und deshalb auch zur Schule“. Dazu gehöre auch, dass je nach Tradition religiöse Symbole sichtbar sind und die großen religiösen Feste auch in der Schule besprochen und gefeiert werden.

Das aktive Einbeziehen der Religion diene vor allem der Sensibilisierung, so Wipf. Wichtig sei der Unterschied zwischen dem Auftrag der Religionsgemeinschaften und dem der öffentlichen Schulen. Hier gehe es um das Vermitteln und Glauben religiöser Inhalte selbst, dort um das Wissen über Religionen.

„Bildung ist mehr als Ausbildung, sie vermittelt auch Haltungen und Orientierungen“, betonte Wipf. Die Religionszugehörigkeit der Lehrperson dürfe also erkennbar sein. Ein Bekenntnis dürfe zudem nicht als Hinderungsgrund für einen Lehrauftrag herangezogen werden. Die Schule sei weder ein verfassungsfreier noch ein religionsfreier Raum.

Lehrkräfte benötigen nach Wipf ein Maß an Selbstreflektion, das ihnen ein kritisches Umgehen mit ihrer eigenen religiösen Biografie erlaube. Die Ausbildung der Lehrkräfte sollte deswegen vom Staat in Zusammenarbeit mit den anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften verantwortet werden. Die Theologischen Fakultäten müssten bei der universitären Ausbildung eingebunden bleiben.

Ziel der Veranstaltung „Exchange 2008 über die religiöse Dimension des interkulturellen Dialoges“ ist die Förderung der gegenseitigen Achtung, Kenntnis und Toleranz innerhalb der europäischen Gesellschaft. Auch die GEKE wird ihre Verantwortung als Kirchengemeinschaft in diesem Thema wahrnehmen, so Wipf.

» zur Stellungnahme der GEKE zum „Weissbuch zum interkulturellen Dialog“ des Europarates

Verfasser: 
GEKE/SEK