Schutz ist nötig - Vielfalt bereichert

Weltweit sind über 33 Millionen Menschen auf der Flucht. Die meisten von ihnen suchen innerhalb des eigenen Landes oder in Nachbarländern Schutz vor Gewalt und Verfolgung. Auch die Schweiz nimmt einen Teil dieser schutzbedürftigen Menschen auf. Sie möchten sich hier einleben – dies ist eine Chance und Herausforderung für die gesamte Gesellschaft und für Neuankommenden selbst. In der Schweiz lebende Flüchtlinge erhalten nicht nur Schutz, sondern tragen zur Bereicherung unseres Gesellschafts- und Wirtschaftslebens bei.

Der Weltflüchtlingstag vom 20. Juni 2008 ist ein Anlass dazu, auf das Schicksal all dieser Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, aufmerksam zu machen. Es sind keine Bilder von grossen Fluchtbewegungen, mit denen wir zurzeit konfrontiert sind. Das Schicksal dieser Menschen spielt sich abseits des Medieninteresses ab. Im Tschad leben Zehntausende von Sudanesinnen und Sudanesen in Zeltlagern in einer wüstenähnlichen Gegend. Auch die irakischen Flüchtlinge, die vorwiegend im Nahen Osten Schutz suchen, werden in der öffentlichen Wahrnehmung zurückgedrängt hinter die Gewalt und die kriegerischen Handlungen, die dieses Land täglich erschüttern. Manche Flüchtlinge wie etwa jene aus Burma, die in Lagern im benachbarten Thailand leben, haben ihr Land schon vor Jahren, teilweise sogar Jahrzehnten verlassen und warten auf einen Ausweg aus ihre schwer erträglichen Situation.

Auch die Schweiz bietet verfolgten Menschen Schutz. Im vergangenen Jahr haben 10 000 Menschen in unserem Land Antrag auf Asyl gestellt. Bei drei Vierteln von ihnen anerkannte die Schweiz ihr Schutzbedürfnis, indem sie Asyl oder eine vorläufige Aufnahme gewährte. Die Schweiz hat sich verpflichtet, die Integration dieser schutzbedürftigen Menschen in unsere Gesellschaft zu fördern. Dieser Prozess kann nicht nur von den Behörden vollzogen werden. Integration setzt sowohl die Bereitschaft der fremden Menschen als auch die Offenheit von uns Schweizerinnen und Schweizern voraus.

Dass Integration erfolgreich sein kann, zeigen viele Beispiele von Migrantinnen und Migranten in der Schweiz, die selbstständig ihren Weg gehen. Sie übernehmen Verantwortung, die für das Funktionieren unserer Gesellschaft unerlässlich ist. Die Schweiz ist durch sie von einer Vielfalt geprägt, die bereichert.

Als Christen und Juden sind wir aufgerufen, uns dafür einzusetzen, dass die Menschen, die unseren Schutz brauchen, aufgenommen werden und sich eine eigene Existenz aufbauen können. Als Religionsgemeinschaften können wir die Integration dieser Menschen aktiv unterstützen.

Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund
Pfarrer Thomas Wipf, Ratspräsident

Schweizer Bischofskonferenz
Bischof Kurt Koch

Christkatholische Kirche der Schweiz
Bischof Fritz-René Müller

Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund
Prof. Dr. Alfred Donath

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Verfasser: 
SEK/SBK/CKS/SIG