Die Verbindlichkeit reformierter Identität fördern

Die Abgeordnetenversammlung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) lanciert die Diskussion um das Reformierte Bekenntnis neu und stellt sich einer Umfeldanalyse des Soziologieprofessors Jörg Stolz zur Situation der Reformierten Kirchen.

Zur Sommer-Abgeordnetenversammlung (AV) des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) versammelten sich vom 14.-16. Juni rund 70 Delegierte der 26 Mitgliedkirchen im Genfer Rathaus. Die AV wurde durch den nationalen Festakt zum Jahr calvin09 anlässlich des 500. Geburtstages des Reformators Johannes Calvin eingeleitet.

Eine Gruppe aus den Mitgliedkirchen hat die Initiative für ein „Werkbuches Bekenntnis“ ergriffen. Dieses soll eine Sammlung von Bekenntnissen enthalten, nach innen für das Gespräch über den Glauben und nach aussen für das Profil der reformierten Schweiz. Ziel der Initiativgruppe ist, in der reformierten Schweiz bis zum Reformationsjubiläum 2019 gemeinsame Referenztexte zu etablieren. Die AV hat nun den Rat SEK beauftragt, hierzu eine Vernehmlassung bei den Mitgliedkirchen des SEK in Auftrag zu geben und damit eine Diskussion in den Gemeinden und bei den Erwachsenenbildnern auszulösen.

Der SEK bereitet einen Prospektivbericht zur Revision seiner Verfassung vor, welcher im Herbst 2010 der AV vorgelegt wird. Das Observatoire des Religions en Suisse (ORS) hat dazu eine Umfeldanalyse zur Situation der Reformierten Kirchen erstellt, die durch den Leiter, Prof. Jörg Stolz, vorgestellt wurde. Die Kirchen, so Stolz, hätten „eine grosse Anzahl erfolgversprechender Strategien“ in Angriff genommen, um der Herausforderung des demographischen Wandels zu begegnen. Mit einer besseren Koordination dieser Strategien könnte sich der Erfolg noch verstärken.

Der Rat informierte über die anstehenden Vollversammlungen der internationalen ökumenischen Bünde. Die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) versammelt sich im Juli 2009 in Lyon. „Der SEK hofft, dass Lyon eine Erneuerung der Kirchenvision der KEK artikulieren kann“, so Thomas Wipf, Ratspräsident des SEK. „Dies geht einher mit einer vertieften Reflexion über die künftigen Prioritäten der KEK.“ Im Juni 2010 wird ausserdem die vereinigende Versammlung des Reformierten Weltbundes und des Reformed Ecumenical Council (REC) zur Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WRK) stattfinden. „Für die Theologie und das Kirchenverständnis ist die WRK ein Meilenstein im Zusammenschlussprozess der Kirchen der Reformation und stellt daher auf Ebene Ökumene ein neues Instrument dar.“, so Wipf.

In seinem Grusswort dankte der Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG), Dr. Herbert Winter, ausserdem für die „sich wohltuend vom Schweigen abhebenden“ öffentlichen Stellungnahmen des SEK in letzter Zeit. Besonders hob Winter die Solidaritätsbekundung des SEK an den SIG vom Januar dieses Jahres hervor. Der SIG hatte in Folge des Gazakrieges eine grosse Zahl von drohenden und antisemitischen Zuschriften erhalten.