Im Strudel der mittleren Jahre

Kirche muss die Schlüsselrolle von Frauen und Männern mittleren Alters im Verhältnis zu nachfolgenden und vorangehenden Generationen besser nutzen, diskutierten die über 50 Teilnehmerinnen der Frauenkonferenz des SEK am 30. März in Bern.

Frauen und Männer im mittleren Alter erleben eine Zeit der Umbrüche. Im Vergleich mit anderen Altersgruppen sind sie mit ihrer Lebenssituation am wenigsten zufrieden und weisen die höchste Depressionswahrscheinlichkeit auf. Diese Thesen begleiteten den thematischen Einstieg in die Frauenkonferenz des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK). Über 50 Teilnehmerinnen beschäftigten sich am 30. März in Bern mit dem Thema „Im Strudel der mittleren Jahre“.

Menschen zwischen 40 und 60 Jahren befinden sich in einer Zeit der Bilanzierungen, so Pasqualina Perrig-Chiello, Professorin für Psychologie an der Universität Bern: Körperliche Veränderungen, die Partnerschaft und die berufliche Situation werden kritisch hinterfragt. Zur Bilanzierung veranlassen kann das Aufgeben von Kindheitsillusionen, Veränderungen im familiären Beziehungssystem, aber auch das Wiederaufleben des Lebenstraumes.

Im familiären Bereich fordern laut Perrig-Chiello der Auszug der Kinder, die Herausforderung einer langen Partnerschaft sowie besonders die Pflegebedürftigkeit und der Tod der Eltern heraus. Dabei sind auch Ambivalenzen feststellbar: Obwohl sich über 90% der pflegenden Angehörigen verpflichtet fühlen, den Eltern zu helfen, sagen 80%, die Eltern verlangten zu viel. Pflegeleistungen in der Familie werden zu 80% von Frauen erledigt.

Wie jeder biographische Übergang haben die mittleren Jahre Krisenpotential, so Perrig-Chiello weiter. Entscheidend sei, wie die einzelne Person auf die Herausforderungen reagiert: In den verschiedenen sogenannten „Coping-Strategien“ gebe es geschlechtsspezifische Unterschiede, aber auch viele Gemeinsamkeiten. Während Frauen eher als Männer Hilfe suchen und Emotionen zulassen, versuchen Männer, sich an die Situation anzupassen oder sie positiv neu einzuschätzen. Für beide Geschlechter sehr wichtig ist die Selbstreflexion. Die Religion als Strategie aus der Krise werde nur wenig genutzt, von Männern etwas mehr als von Frauen.

Menschen mittleren Alters haben eine Schlüsselrolle im Verhältnis zu nachfolgenden und vorangehenden Generationen, betonten die Teilnehmerinnen der Frauenkonferenz in der Diskussion. Erfahrung und Flexibilität seien Stärken, welche die Kirchen noch besser nutzen können. Aufgabe der Kirchen könnte es sein, Menschen zwischen 40 und 60 in ihrer belasteten Situation noch besser zu unterstützen und in Fragen der Lebensbilanz oder der ambivalenten Haltung bezüglich Pflege von Eltern und Schwiegereltern zu begleiten.

Im geschäftlichen Teil wurde Simone Weil in den Ausschuss der Frauenkonferenz gewählt. Weil ist Pfarrerin mit Schwerpunkt Frauenarbeit in der Reformierten Kirche in St.Gallen.

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