“Vorbild demokratischer Staatsführung und Machtteilung“

In der reformierten Hauptstadt Genf feierte der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) am 14. Juni den 500. Geburtstag Johannes Calvins mit dem Festakt calvin09. Über die weltweite Wirkung Calvins sprachen im vollbesetzten Temple de la Fusterie auch Bundesrat Moritz Leuenberger und der Genfer Regierungsrat David Hiler.

Mit über 300 Gästen aus dem In- und Ausland begingen die Schweizer Kirchen am 14. Juni den nationalen Festakt zum Jubiläumsjahr calvin09. Auf dem vom Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK) veranstalteten Festakt wurden politische und kirchliche Vertreter aus 13 Ländern und von den internationalen ökumenischen Einrichtungen begrüsst. Die Feierlichkeiten waren Auftakt der Sommersession des nationalen evangelischen Kirchenparlaments.

Bundesrat Moritz Leuenberger betonte in seiner Ansprache, der Calvinismus sei zum „Vorbild demokratischer Staatsführung und Machtteilung“ geworden. Zudem hätte Calvin gezeigt, dass sich Markt und Ethik erfolgreich verbinden können: Die sei „vor 500 Jahren so wenig eine Schande, wie es heute keine ist. Die Schande besteht vielmehr darin, nach wirtschaftlichem Erfolg zu streben, ohne andere Kriterien zu achten.“ Für ein gelingendes Miteinander brauche es mehr als Beliebigkeit, nämlich Arbeit, Einsatz und Solidarität. Leuenberger: „Dieses Ziel wurde vor 500 Jahren reformiert und wir rufen es uns heute wieder in Erinnerung.“

„Calvin hat nach eigenen Wegen gesucht, den Dialog zwischen Kultur und Christentum zu reflektieren“, so François Dermange, Professor für Theologie und Dekan der Theologischen Fakultät der Universität Genf. Mit dem bedeutendsten Erbe Calvins für die heutige Zeit beschäftigte sich anschliessend ein vom Publizisten Roger de Weck moderiertes Podium. Teilnehmer waren Jérôme Cottin, Professor für Theologie in Paris, Klaas Huizing, Professor für Theologie in Würzburg, der Genfer Stadtrat Pierre Maudet, Olivier Millet, Professor für französische Literatur in Paris, sowie Ivan Pictet, Senior Managing Partner der Genfer Bank Pictet & Cie.

Für Pierre Maudet liegt die Stärke Calvins im demokratischen Ansatz, in der „Beschränkung der Mächtigen. Darin ist Calvin für mich am aktuellsten.“ Klaas Huizing betonte zum Abschluss ein weiteres Erbe des Genfer Reformators: „Die Transparenz ist ein produktiver Ansatz, heute an Calvin anzuschliessen. Wenn diese Idee politisch, auch im Finanzsektor durchgesetzt worden wäre, wären wir nicht in die Krise geschlittert.“


Die Abgeordnetenversammlung AV ist das Parlament (Legislative) des SEK. Die rund 70 Vertreter der 26 Mitgliedskirchen des SEK treten zweimal pro Jahr zusammen, im Juni als Gast einer Mitgliedskirche, im November in Bern. Die Sommer-AV 2009 tagt 14.- 16. Juni im Genfer Rathaus.