Wer gesund macht, der hat Recht?

Die Diakoniekonferenz des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) stellte sich am 5. Mai dem Phänomen der „Gesundheitsreligion“. Neue Ideen zum Umgang mit Gesundheit und Heilung in Diakonie und Kirchgemeinde wurden diskutiert.

„Wer gesund macht, der hat Recht. Das ist das Ende jeder ethischen Diskussion“, so Konrad Meyer in seinem Referat. Es müsse aber darum gehen, neben der Gesundheit noch andere Werte erlebbar zu machen. Hier seien Diakonie und Kirche gefragt, appellierte der neue Präsident der Diakoniekonferenz des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) an die knapp dreissig Delegierten, die sich am 5. Mai zum Thema „Hauptsache gesund – Gesundheit als Religion“ in Bern versammelten.

Das in der Öffentlichkeit propagierte Ideal der Gesundheit sei nicht zu erreichen, so Meyer. Doch glaube man einer Studie aus Deutschland, bedeute gesund nichts weiter als zu wenig untersucht. Zudem gebe es einen Wertunterschied zwischen „Gesunden“ und „Kranken“. Krankheit hafte der Makel der eigenen Schuld an.

„Gesundheit ist nicht gleich Heilung“, betonte Meyer. Kirche und Diakonie müssen Raum schaffen, wo Grenzen auch als Bereicherung angesehen werden und wo der Unterschied „zwischen Machbarkeit und Gnade“ deutlich wird. Letztlich ginge es um die Frage: „Kann ich akzeptieren, dass ich aus der Gnade Gottes lebe?“

Die Teilnehmenden entwickelten in Arbeitsgruppen eigene Initiativen und Impulse zum Thema. Einigkeit bestand darin, dass die Kirchen in den Handlungsfeldern der Palliative Care und der Spitalseelsorge wichtige Kompetenzen haben, die weiter zu fördern sind. Zudem wurde der SEK gebeten, weiter an gesundheitspolitischen Leitlinien zu arbeiten. Leitfrage müsse dabei sein, wie die den christlichen Kirchen wichtigen Werte in die Gesundheitspolitik Eingang finden können. Gesundheitspolitik müsse dabei immer mit Sozial- und Bildungspolitik verbunden werden.

Im geschäftlichen Teil wurde Christine Huck (Zürich) in den Ausschuss der Diakoniekonferenz gewählt. Sergio Jost (Greifensee) wurde als Vertreter der Konferenz in die Abgeordnetenversammlung gesandt.

Hinweis: Die kommende Diakoniekonferenz wird am 10. November zum Thema „Gesundheit und Armut“ in Bern tagen.

Die Diakoniekonferenz ist eine Reflexionsplattform des SEK, die sich zweimal jährlich zu ausgewählten Themen versammelt. Jede Mitgliedkirche des SEK entsendet einen Vertreter oder eine Vertreterin an die Diakoniekonferenz, die grösseren diakonischen Einrichtungen können mehrere Sitze wahrnehmen. Eine Delegation der Diakoniekonferenz ist an der Abgeordnetenversammlung des SEK mit zwei Sitzen vertreten.

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