Über Freiwilligenarbeit werden Normen der Gesellschaft weitergegeben

Ohne Freiwilligenarbeit wäre die evangelisch-reformierte Kirche buchstäblich arm dran. Doch wie können neue Freiwillige zur Mitarbeit motiviert werden? An der gemeinsamen Versammlung der Frauen- und Diakoniekonferenz am 22. November plädierte Professorin Nathalie Amstutz dafür, mittels Diversity Management neue Zielgruppen zu erschliessen.

Die Babyboomer fehlen in ein paar Jahren als Arbeitskräfte und der Bedarf an Betreuung Betagter nimmt zu: Die Freiwilligenarbeit steht vor ähnlichen Herausforderungen wie der Arbeitsmarkt. Die Gemeinsame Versammlung der Diakonie- und Frauenkonferenz des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK hat deshalb kurz vor Beginn des EU-Freiwilligenjahres 2011 darüber diskutiert, wie neue Zielgruppen erschlossen werden können.

Professorin Nathalie Amstutz vom Institut für Personalmanagement und Organisation an der Fachhochschule Nordwestschweiz wies in ihrem Referat darauf hin, dass jene sozialen Schichten, Einkommensklassen, Geschlechter und Altersklassen, die normalerweise nicht für eine Organisation tätig sind, zu Freiwilligenarbeit motiviert werden könnten. «Freiwilliges Engagement kann ein Beitrag sein zur gesellschaftlichen Integration», sagte sie. « Über Freiwilligenarbeit werden Normen der Gesellschaft weitergegeben.» Um das Potential an Freiwilligen auszuschöpfen, müsse eine Organisation als erstes ihre Zugänge reflektieren.

«Wir rekrutieren Freiwillige direkt auf Kompetenzen hin», sagte Hubert Kausch, der beim Schweizerischen Roten Kreuz SRK für Freiwilligenarbeit verantwortlich ist. Manchmal bestimme das Angebot an Freiwilligen auch das Angebot des SRK. Einen anderen Weg geht Marlise Schiltknecht, Beauftragte für Diakonie der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen. Sie ist dabei, die Kurse für Freiwillige mit Angeboten jener Firmen zu vernetzen, die ihre Mitarbeiter auf die Pensionierung vorbereiten.

Vertieft wurde das Thema «Vielfalt in der Freiwilligenarbeit» in Workshops, in denen es unter anderem um das Führen von Freiwilligen und die Integration von Migrantinnen und Migranten ging. «Wenn man mehr Vielfalt unter den Freiwilligen erreichen möchte, ist es wichtig, diese Diversity auch unter dem angestellten Personal anzustreben», meinte Jürg Walker, Geschäftsführer von Multimondo, Biel.

Im geschäftlichen Teil wurden die Mitglieder der beiden Ausschüsse der Konferenzen für die nächste Legislaturperiode wiedergewählt. Mit Erleichterung haben die Delegierten ausserdem davon Kenntnis genommen, dass die Kürzungsvorhaben bezüglich Budgets der Konferenzen an der AV des SEK ohne Gegenstimme abgelehnt wurden.

» weiter zur Frauenkonferenz
» weiter zur Diakoniekonferenz