„Die Kirche sollte mutiger auf die Wirtschaft zugehen“

Nonprofit und Wirtschaft passen zusammen, sie sind aber keine natürlichen Partner, so die SEK-Diakoniekonferenz. Dennoch sollten die Kirchen mutiger auf die Wirtschaft zugehen, zumal das Interesse seitens der Wirtschaft durchaus vorhanden ist.

„Der Entscheid, sich als Nonprofit-Organisation für die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft zu interessieren, ist grundsätzlich richtig.“ Damit eröffneten Axel Schilling und Jürg Schneider, Professoren an der Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz, ihr Referat. Über 40 Delegierte und Gäste aus den SEK-Mitgliedkirchen und Organisationen sowie aus diakonischen Einrichtungen hatten sich unter dem Thema „Kooperationen in der Diakonie“ zur Diakoniekonferenz des SEK am 4. Mai 2010 in Bern versammelt.

Die Wirtschaft bewege sich hin zu einer breiteren Engagementpalette, so die Referenten. Vermehrt sei eine „Tendenz zu nachhaltigem Management“ festzustellen. Besonders die Kirchen seien für die Wirtschaft durch ihr Image und ihre Marke interessant. Eine erfolgversprechende Zusammenarbeit müsse jedoch richtig geplant werden, da sich die Wirtschaft oft nicht als Sponsor der öffentlichen, steuerfinanzierten Hand sehe, zu welcher die Kirchen gezählt würden. Die Kirchen würden oftmals als falscher Partner verstanden, da Botschaft und Auftrag der Kirche teilweise nicht in die „Passform der von der Wirtschaft gewünschten Kooperation“ passten. Schliesslich sei problematisch, dass mit der Wahl des einen kirchlichen Partners oft „die andere Kirche“ nicht gewählt würde. Eine erfolgversprechende Zusammenarbeit müsse also auch ökumenisch und innerhalb der reformierten Partnerkirchen und Organisationen richtig geplant werden.

„Engagement ist krisenresistent“, betonte Schilling. Beweggründe für eine Kooperation seitens der Wirtschaft seien vor allem ein persönliches Anliegen sowie ein Empfinden gesellschaftlicher Verantwortung. Nonprofit-Organisationen schauten vor allem auf eine Akzeptanzsteigerung in der Öffentlichkeit. Eine Untersuchung habe gezeigt, dass die die Deutschschweizer Unternehmen am kooperationsfreudigsten seien, vor denen der Suisse Romande und des Tessin.

Solange Art und Inhalt der Zusammenarbeit mit Auftrag und Identität der Kirche zusammen gingen, sollte diese mutiger auf die Wirtschaft zugehen, so die Teilnehmenden der Diakoniekonferenz. Die reformierten Kirchen hätten etwas zu bieten. Durch ihre Basisorientierung seien sie stets am Ort des Geschehens, zudem brächten sie eine hohe ethische Kompetenz in die Zusammenarbeit ein. Viele Gemeinden führten bereits erfolgreiche Kooperationsprojekte durch, jedoch könnten die bestehenden Netzwerke noch konsequenter genutzt werden.

Hinweis: Die kommende Diakoniekonferenz wird gemeinsam mit der Frauenkonferenz am 22. November 2010 zum Thema vielfältige Freiwilligenarbeit als Mehrwert in Bern tagen.

Die Diakoniekonferenz ist eine Reflexionsplattform des SEK, die sich zweimal jährlich zu ausgewählten Themen versammelt. Sie setzt sich zusammen aus mindestens einem Vertreter oder einer Vertreterin aus den Mitgliedkirchen des SEK und ihm nahestehenden Werken und Organisationen sowie aus wichtigen diakonischen Einrichtungen. Eine Delegation der Diakoniekonferenz ist an der Abgeordnetenversammlung des SEK mit zwei Sitzen vertreten.