Ein Meilenstein im jüdisch-christlichen Dialog der Schweiz

Die Evangelisch-Jüdische Gesprächskommission EJGK legt in einer Medienkonferenz die erste gemeinsame offizielle Erklärung von Juden und Christen vor.

60 Jahre jüdisch-christlicher Dialog in der Schweiz. Nach der Gründung der Evangelisch-Jüdischen Gesprächskommission EJGK durch SIG und SEK vor zwanzig Jahren folgt nun mit der ersten gemeinsamen offiziellen Erklärung von Juden und Christen der nächste Meilenstein.

„In gegenseitiger Achtung auf dem Weg“ erklärt die gemeinsame Position von Juden und evangelischen Christen in den Abschnitten „Freiheit“, „Die Schrift“ und „Die gemeinsame Verantwortung“. Die Erklärung dient als Grundlage zur Weiterentwicklung, Verbreitung und Vertiefung der Kultur des Respekts und des Dialogs. Sie wendet sich an die Mitglieder jüdischer und evangelischer Gemeinden, insbesondere in der Predigt-, Erziehungs- und Bildungsarbeit.

„Die Erklärung untermauert das Vertrauen von Juden und Christen, welches in den letzten Jahren stetig gewachsen ist“, betonte SIG-Präsident Herbert Winter vor Medienvertretenden in Zürich. „Der Text ist von der Erfahrung der Gesprächskommission geprägt, dass sich Juden und Christen heute auf gleicher Augenhöhe begegnen, ohne dabei geschichtsvergessen zu sein“, bestätigte Pfarrer Thomas Wipf, Ratspräsident SEK.

Michel Bollag, jüdischer Co-Präsident der EJGK unterstrich die Bedeutung dieser und vergangener jüdisch-christlicher Erklärungen: „Ihnen ist es im hohen Masse zu verdanken, dass Antisemitismus im Rahmen der Kirche heute Tabu ist.“ Ziel sei es, „mehr Juden als bisher zu animieren, an jüdisch-christlichen Begegnungsforen teilzunehmen, damit die friedliche Koexistenz in der Schweiz gestärkt werden kann.“ Für Lucie Kaennel, reformierte EJGK-Co-Präsidentin, steht die „Interesselosigkeit der reformierten Basis“ dem Judentum gegenüber im Zentrum. Es müsse nun praktisch darum gehen, in Schulen und Kirchgemeinden, bei Pfarrern und Diakonen dieses Interesse zu wecken.

Verfasser: 
SEK/SIG