Einhaltung des Humanitären Völkerrechts absolute Bedingung

Die SEK-Delegation besucht am Ende ihrer Nahostreise die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem und die besetzten palästinensischen Gebiete und diskutiert einen neuen Friedensansatz zwischen Gewalt und fruchtlosen Verhandlungen.

Mit einem viertägigen Programm in Israel und den besetzten palästinensischen Gebieten ist die Reise der Delegation des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes in den Nahen Osten zu Ende gegangen.

„Die Situation in den besetzten palästinensischen Gebieten und in Jerusalem ist sehr bedrückend“, sagte Ratspräsident Thomas Wipf, „und angesichts der politischen Komplexität und der tiefen Verletzungen auf beiden Seiten sind alle gefordert, Juden, Muslime und Christen.“

„In meinen Augen ist die Einhaltung des Humanitären Völkerrechts eine absolute Bedingung. Und ich habe an einen Staat wie Israel entsprechend hohe Erwartungen“ sagte Ratsmitglied Peter Schmid.

Während der Treffen mit Vertretern der lutherischen und der griechisch-orthodoxen Kirchen und Vertretern der jüdischen und muslimischen Glaubensgemeinschaften wurde unter anderem auch das so genannte „Kairos-Dokument – Stunde der Wahrheit“ diskutiert; das Dokument wurde 2009 von einer Gruppe christlicher Palästinenser verfasst. „Die Stunde der Wahrheit“ ruft zu einem dritten Weg zwischen Gewalt und fruchtlosen Friedensverhandlungen auf. In Anlehnung an die südafrikanische Überwindung der Apartheid beharren die Autoren auf der Würde aller Menschen und appellieren an die Menschlichkeit. Der Rat SEK wird sich nach seiner Rückkehr und auf Grund seiner jetzt gewonnenen Einsichten eingehend mit diesem Dokument befassen.

Die Delegation hatte die besetzten palästinensischen Gebiete besucht. Sie traf in Hebron und Yanoun mit Freiwilligen des Begleitprogramms des Ökumenischen Rates der Kirchen ÖRK für Palästina und Israel EAPPI, darunter auch Schweizer, zusammen. EAPPI will zu einer Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts durch einen gerechten Frieden beitragen. Der SEK hat das Patronat über dieses Programm in der Schweiz. Die operative Verantwortung liegt beim Hilfswerk Evangelischer Kirchen HEKS.

„Angesichts der Situation in Orten wie Hebron oder Yanoun sind wir von der Wichtigkeit dieses Programms überzeugt. Dass sich zumeist junge Menschen aus aller Welt freiwillig und gewaltlos für die Wahrung der Menschenrechte einsetzen, ist nicht nur eine Geste der Solidarität, sie bringt den Palästinensern konkrete Erleichterung im Alltag. Das entspricht den Werten unserer Kirche“, sagte Thomas Wipf.

Am Freitag besuchte die Delegation die Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem und nahm anschliessend an den Sabbat-Feierlichkeiten in einer Synagoge teil. „Uns ist einmal mehr bewusst geworden, wie tief die Erfahrung von Verfolgung und Vernichtung die Juden bis heute prägen“, sagt Peter Schmid, „bewusst geworden ist uns aber auch, dass den Palästinensern dieser Teil der Geschichte immer fremd bleiben wird. Es ist unsere Geschichte.“